Tarot Schule 3

Praxis der Kartenlegekunst

Für die meisten kann das Thema „Einstieg in die Praxis“ nicht schnell genug gehen, gleichzeitig sorgen aber die ersten Übungen oftmals dafür, dass der Neuling rasch resigniert und die Karten ins nächste Eck wirft. Diese Lektion soll ein paar Ratschläge geben, die Ihnen den Einstieg erleichtern.
Fast jeder Kartenleger macht am Anfang dieselbe Erfahrung: Die Antworten des Tarots können manchmal sehr komplex und nur schwer verständlich sein. Doch meist „hapert“ es eigentlich nur an der richtigen Fragestellung, wenn man die Antwort nicht versteht. Wie Sie Missverständnisse im Vorfeld ausschließen und Fragen so formulieren, dass der Tarot Ihnen verständliche antworten kann, erfahren Sie in diesem teil der Tarot-Schule.
Vorweg: Es gibt gewisse Regeln für die Deutung und Interpretation der Karten, die man sich als Kartenleger-Anwärter oder -Profi stets vergegenwärtigen sollte:
Man erhält immer eine Antwort auf die gestellte Frage. Auch die vermeintlich unsinnige Antwort, die wir vom Tarot erhalten, hat Sinn. Denn das heißt konkret: Eine unklar gestellte Frage wird uns auch eine vage und schwer verständliche Antwort bescheren.
Das Kartenbild sollte so wertfrei wie möglich interpretiert werden. Eine strikte Klassifizierung in „gut“ oder „schlecht“ führt aufs Glatteis und berücksichtigt das eigentliche Potenzial und den Nutzen des Tarots nicht: Er sollte Gefahren und Chancen aufzeigen und nicht das Leben als unabänderliches Schicksal darstellen.
Eine neutrale innere Einstellung ist unabdingbar – nicht nur anderen, sondern auch sich selbst gegenüber. Das heißt auch, die Antwort der Karten anzunehmen; selbst wenn man sie auf den ersten Blick nicht versteht. Hat man Schwierigkeiten bei der Interpretation, sollte man sich nicht überfordern und um jeden Preis eine Antwort parat haben. Hier gilt die Devise: Die Legung schriftlich festhalten und zunächst einmal einfach beobachten

Wie stelle ich die richtige Frage?

Grundsätzlich ist (fast) alles erlaubt, denn, wie bereits erwähnt, antwortet der Tarot uns immer – doch können wir die Antwort richtig?. Fragen, die unbedingt vermieden werden sollten, da die Antworten darauf meist unklar ausfallen, sind:
1) Fragen, die ein „Ja“ oder „Nein“ als Antwort beinhalten
Abgesehen davon, dass es tatsächlich auch Situationen im Leben gibt, die sich – meist rückblickend – nicht eindeutig mit einem „Ja“ oder „Nein“ beantworten lassen, ist die Auskunft des Tarots auf eine solche Frage  immer unklar, denn die klassischen Ja- oder Nein-Karten gibt es nicht. So birgt eine vermeintlich „positive“ Karte wesentlich mehr als eine knappe Zusage! – Prinzipiell bewähren sich alle Fragen, die mit einem „Wie“ oder „Was“ beginnen, z.B. „Wie schaffe ich es, wieder schwarze Zahlen zu schreiben?“ oder „Wie soll ich mich gegenüber der neuen Bekanntschaft verhalten?“ oder „Was kann ich tun, um mehr Erfolg im Job zu  haben?“
2) Fragen nach einem konkreten Zeitpunkt
Wie bereits in der 1. Lektion dieser Serie erwähnt, teilt sich der Tarot bildhaft mit. Es gibt also keine Karte, die für den Tag X oder die Kalenderwoche Y steht. Auch sollten wir berücksichtigen, dass die Sprache unseres Unterbewusstseins, das sich ja durch die Karten ausdrückt, keine Maßeinheiten in Form von Zahlen kennt.
Um zu eruieren, was sich in den nächsten Wochen oder Monaten tut, empfiehlt es sich, bei der Fragestellung den Zeitraum des Themas einzugrenzen; dies könnte so aussehen: Anstatt „Wann werde ich meinen neuen Bekannten wieder sehen?“ könnte man „Wie sehen die nächsten beiden Wochen mit meinem Bekannten und mir aus?“ fragen. „Wann bekomme ich einen neuen Job?“ kann umgewandelt werden in „Wie sieht meine berufliche Entwicklung und Veränderung in den nächsten 6 Monaten aus?“
Es gibt Zeitkarten, die eine sehr rasche Entwicklung (z.B. die 8 der Stäbe oder der Wagen), aber auch eine Verzögerung (7 der Münzen, das Schicksalsrad, der Gehängte) anzeigen können. Doch auch aus diesen Karten lässt sich kein genauer Zeitpunkt ablesen.
3) Fragen zu und über Menschen, die man nicht richtig kennt
Diese Fragen werden in Beziehungsangelegenheiten oft gestellt. Nehmen wir einmal an, eine Fragende möchte herausfinden, ob es sich lohnt, mit einem interessanten, aber noch unbekannten Mann in Kontakt zu treten. Hier fällt die Wahl oftmals auf Legesysteme, die sowohl die Gedanken als auch die Gefühlswelt des schönen Unbekannten offen legen sollen. Auch hier ist zu beachten: Der Tarot gibt immer Auskunft! Den Tarot allerdings nach einer Beziehung zu fragen, die in Wirklichkeit gar keine ist (und möglicherweise auch nie eine wird), wird uns auch eine Antwort auf der vordergründigen Ebene bescheren: „Die Liebenden“ auf einem Platz in „seinem“ Kartenbild zeigen dann wahrhaftig nicht immer die Beziehung an, denn wie will man die Gefühlswelt des Unbekannten interpretieren, wenn dieser von seinem Glück noch gar nichts weiß? Fälschlicherweise wird aber oft bei so genannten „positiven“ Karten ein Happy End gedeutet.

Fragen, die sich von selbst verbieten

Neben den fachlich schwierigen Fragen, gibt es noch eine bestimmte Reihe von Fragen, die zwar theoretisch anwendbar sind, die jedoch die Ethik jedes seriösen Kartenlegers verbietet.
1) Moralisch und ethisch nicht vertretbare Fragen
Es kann durchaus vorkommen, dass ein Ratsuchender ein Vorhaben verfolgt, das er zwar für berechtigt hält, jedoch letztendlich zum Ziel hat, einem Dritten zu schaden, wie z.B.: „Wie kann ich die Beförderung des Kollegen vermeiden?“ oder „Was kann ich tun, dass sich der verheiratete Mann endlich für mich entscheidet und seine Familie verlässt?“. Jeder Kartenleger hat seine persönlichen ethischen Vorstellungen, für so manchen bewegt sich eine Frage moralisch bereits in der Grauzone, während sie ein anderer Kartenleger für noch akzeptabel hält.
Generell sind jedoch alle heiklen Fragen lösbar, indem man den Ratsuchenden auffordert, den eigentlichen Wunsch hinter der Frage zu erkennen und entsprechend die Karten befragt: Muss es wirklich der verheiratete Mann sein, um Liebe und Geborgenheit zu erlangen? Und was kann man tun, um beruflich voranzukommen, ohne jemandem zu schaden?
2) Fragen über nicht anwesende Dritte
Auch hier sind die Grenzen unter den Kartenlegern unterschiedlich gesteckt: Während sich manche Berater beispielsweise weigern, Aussagen über die Kinder des Ratsuchenden zu treffen, kann das für andere Kartenleger durchaus vertretbar sein.
Fragen über nicht anwesende Dritte werden oft im Bereich Beziehung gestellt und lassen sich auch ein Stück weit nicht vermeiden, dennoch sollte man unbedingt darauf achten, dass die Privat- und Intimsphäre des Nichtanwesenden gewahrt bleibt.
3) Fragen, die die Kompetenz des Kartenlegers überschreiten
Das Gesetz sieht vor, dass es Beratungsfunktionen gibt, die nur von bestimmten Berufszweigen ausgeführt werden. Hierzu gehören z.B. auch:
Medizinische Betreuung / das Stellen von Diagnosen: es versteht sich von selbst, dass eine karmische Niereninsuffizienz oder ähnliche angebliche Mitbringsel aus früheren Leben nicht aus den Karten gelesen wird, sondern bei allen medizinischen Fragen ein Arzt oder Heilpraktiker konsultiert werden muss.
Ähnliches gilt auch für den psychologischen Bereich. Es kann vorkommen, dass man mit den psychischen Problemen eines Ratsuchenden überfordert ist. Hier sollte man nicht scheuen, ehrlich zu sein und den Klienten zu professioneller Hilfe raten. Klar ist: Der Tarotberater ist kein Therapeut, sondern lediglich „Übersetzer“ der Karten (sofern er natürlich nicht die Zusatzausbildung hat).
Juristische Ratschläge: In diesen Belangen kann der Ratschlag eines Anwalts nützlicher sein. Fragen wie „Was kann ich tun, um endlich ein Arbeitszeugnis von meinem letzten Arbeitgeber zu bekommen?“ lassen sich auch ohne Karten beantworten: Auf gewisse Dinge hat der Ratsuchende ein Recht und kann dieses notfalls auch durch juristische Schritte erzwingen.
Ähnlich verhält es sich mit finanziellen Belangen, die oftmals das Know-how eines Steuerberaters erfordern.
Wenn Sie diese Ratschläge berücksichtigen, kann auch bei den ersten Deutungs-Schritten nicht viel schief gehen…