Tarot Schule 2

Die Wahl des Tarot-Decks

Die meisten Tarotneulinge sind vor dem Kauf ihres ersten Decks von der Auswahl regelrecht erschlagen: Mittlerweile gibt es kaum ein Thema, das nicht in ein Tarotdeck umgesetzt wurde – und so werden Hunderte von unterschiedlichen Tarotspielen auf dem Markt angeboten. Die Palette erstreckt sich von klassischen Decks (wie dem Rider-Waite-Tarot, dem Tarot de Marseille oder dem Crowley-Tarot) über Decks, die religiöse, kulturgeschichtliche, mystische oder gegenständliche Themen behandeln (wie das Haindl-Tarot, das Avalon-Tarot oder das Edelstein-Tarot) bis hin zu echten Kunstwerken wie dem Dali-Tarot, dem Margarete-Petersen-Tarot oder dem Dürer-Tarot (um nur einige zu nennen)
Bei manchen Decks ist nur noch die Anzahl der Karten die gleiche – denn jedes Tarotspiel besteht traditionell aus 22 Trumpfkarten und 4 Sätzen à 14 Karten der kleinen Arkana. Alle Kartenspiele, die nicht in dieser Zusammensetzung existieren, sind streng genommen keine Tarotdecks – Ausnahme ist eine ältere Ausgabe des Crowley-Decks, das 3 Magier beinhaltet: neben dem „richtigen“ Magier zwei weitere Magierversionen der Künstlerin, und damit aus 80 Karten besteht. Oft wird Tarot missverstanden als Überbegriff für Kartenlegen. Die Lenormand-, Skat- oder die Kipperkarten sind keine Tarotspiele, sondern eigenständige Kartenlegespiele.

Der Favorit: Das Rider-Waite-Tarot

Favorit für Einsteiger in die Kunst der Tarotbefragung ist meistens das Rider-Waite-Tarot. Dieses Deck wurde von Arthur Edward Waite und der Künstlerin Pamela Colman Smith im Jahr 1909 auf den Markt gebracht, der Verleger hieß Rider.
Das Besondere an diesem Deck war, dass auch die kleinen Arkana mit Bildern illustriert waren. Es wird vermutet, dass sich Smith bei der Bebilderung der kleinen Arkana an dem historischen Sola-Busca-Tarot orientiert hat, das im späten 15. Jahrhundert entstand. Dieses Deck ist das erste bekannte, das Bilder auf allen 78 Karten zeigt.
Die 3 der Schwerter und die 10 der Stäbe von Waite zeigen zum Beispiel eine verblüffende Ähnlichkeit zu den 3 der Schwerter und den 10 der Schwerter des Sola-Busca-Tarots.

Verblüffende Ähnlichkeit z.B. bei der 2 der Stäbe
Inzwischen existieren auch zahlreiche Klone von dem Rider-Waite-Tarotdeck, wie zum Beispiel das Universal Waite Tarot, das Vice Versa-Tarot, das Kräuter-Tarot, und unzählige mehr. Natürlich gibt es auch in der Kartengröße alle Variationen – von der Mini-Pocketausgabe bis hin zu „King Size“-Karten von fast DINA4-Format. Auch in der Qualität der Karten gibt es Unterschiede, oft von Verlag zu Verlag.

Symbolreich und vielschtig: Das Crowley-Tarot

Das statistisch zweitbeliebteste Tarotdeck ist das von Aleister Crowley und der Künstlerin Lady Frieda Harris, erschienen im Jahr 1944. Das Crowley-Tarot ist vielschichtig und symbolreich und erschließt sich den meisten nicht so schnell wie die klarer gezeichneten Rider-Waite-Tarotkarten. Doch übt es eine ganz besondere Faszination aus mit seiner Farbenpracht und seiner Tiefe. So wählen manche Einsteiger das Crowley-Deck als erstes Deck – das ist schlichtweg eine Frage des Geschmacks. Wenn man sich mit den Crowley-Karten, besonders den großen Arkana, auseinander setzt, ist es sehr hilfreich, einige Grundkenntnisse in Alchemie zu haben.
Trumpf 8 und 10 der Stäbe aus dem Crowley-Tarot
Entscheidend bei der Wahl des Lieblingsdecks ist jedoch, dass jedes Deck seine eigene Sprache spricht und beispielsweise das Bildteppich-Tarot nicht mit der Literatur des Rider-Waite-Tarots übersetzt werden kann. „Man fährt ja auch nicht mit dem Spanisch-Wörterbuch nach Italien“, bringt es der bekannte Kartenleger Hajo Banzhaf auf den Punkt. Manche Wörter sind zwar ähnlich, aber jede Sprache, auch jede Tarotsprache, ist individuell. In der Summe steckt in jedem Tarotdeck die Gesamtheit der Information – nicht empfehlenswert ist es, eine bestimmte Karte in zwei Decks 1:1 zu übersetzen.
Wenn wir zum Beispiel die „6 der Schwerter“ im Crowley-Tarot und im Rider-Waite-Tarot vergleichen, kommen wir zu sehr unterschiedlichen Aussagen: Bei Crowley drückt diese Karte einen klugen Einsatz der Geisteskräfte aus, und bei Waite geht es hier um einen Aufbruch zu einem ungewissen Ufer. Wenn wir die „2 der Stäbe“ in diesen beiden Decks vergleichen, kommen wir sogar zu fast gegensätzlichen Aussagen, im Crowley-Tarot heißt diese Karte Spannung, schöpferische Kreativität, knisternde Energie – und bei Rider-Waite eher Neutralität und eine lauwarme Haltung, die Spannung ist aufgehoben.

Besser mit populärem Deck beginnen

Das Problem bei der Wahl eines exotischen Decks ist der Mangel an Literatur. Für das Rider-Waite-Tarot oder das Crowley-Tarot gibt es inzwischen massenweise Übersetzungshilfen, für das Margarete-Petersen-Deck jedoch gibt es bislang nur ein kleines Begleitbuch der Künstlerin mit verschlüsselten und poetischen Beschreibungen der Karten, hier hilft nur die Intuition, die die wunderschönen Tarotbilder erwecken.

Es empfiehlt sich, anfangs nur mit einem einzigen Deck zu arbeiten, bis man im Deuten einigermaßen sattelfest geworden ist. Hier gilt wieder die Analogie zu dem Erlernen einer Sprache: Es ist schwierig, 2 Sprachen gleichzeitig zu lernen. Natürlich gibt es aber auch reine Tarotdeck-Sammler, die dann eher den künstlerischen Aspekt der Decks schätzen und nur mit einem oder zwei davon deuten.
Tarot-Karten: Nicht nur zum Deuten, auch schön anzusehen.

Umgang mit den Karten

Nun hat sich der Tarotneuling also das Deck seiner Wahl gekauft und steht vor seiner ersten Legung. Vieles hat er schon gelesen und gehört, wie mit den Tarotkarten umzugehen ist. Und doch gibt es kein festgeschriebenes Gesetz dazu!
Sachlich betrachtet, ist eine Tarotkarte ein Stück Pappe mit einem Bild drauf und braucht keine mystischen Rituale, um ihre Botschaft zu übermitteln. Doch es liegt in der individuellen Vorliebe des Nutzers, ob er seine Legung mit stundenlanger ritueller Vorbereitung, Räucherstäbchen, magischen Sprüchen, Kerzenschein und lila Samtunterlage zelebriert, die Karten nach einem magischen Muster mischt, 3x abhebt und sich von den Karten finden lässt, die gezogen werden wollen, ob er vor der Befragung meditiert und sich die Hände wäscht, bevor er die Karten berührt und sie nach jeder Anwendung mit Rosenöl reinigt, oder ob er ganz pragmatisch die Karten auf dem Küchentisch mischt, ausbreitet und spontan zieht.

Beide etwas extrem dargestellten Pole sind legitim – wichtig ist nur, dass der Frager seine persönliche Vorgehensweise intuitiv als stimmig empfindet und sich nicht von einer irgendwo gelesenen Regel abhängig macht. Tarot antwortet so oder so!

Mischen und Ziehen

Die meisten handhaben es so, dass sie die Karten wie jedes Spielkartendeck mischen, sollten sie zu groß sein, kann man sie auch auf dem Tisch mit der Hand durcheinander mischen.  Dann werden die Karten wieder zusammen genommen und fächerartig vor sich ausgebreitet. Mit der linken Hand zieht man dann wahlweise spontan, intuitiv oder nach einem bestimmten Muster die benötigte Anzahl der Karten heraus, legt sie verdeckt auf einen Stapel und beginnt dann mit der untersten, also der zuerst gezogenen Karte das Legesystem auszulegen. Ob die Karten sofort alle umgedreht werden oder ob man es lieber spannend machen möchte und jede einzeln deutet und dann erst die nächste umdreht, bleibt wieder der Vorliebe des Deuters überlassen. Wenn man für jemanden anderes die Karten legt, ist es dem Deuter überlassen, ob er die Karten mischt oder der Frager – beide Varianten sind gängig.