Tarot Schule 1

Über die Herkunft des Tarots gibt es zahlreiche Legenden und nicht bewiesene Theorien. So mancher Tarothistoriker vermutete den Ursprung des Tarots im alten Ägypten, andere wiederum nennen die Zigeuner als Urheber und Verbreiter der Karten. Tatsache ist jedoch auch, dass hierüber auch viel Unwahres gestreut wurde – vermutlich, um die Geschichte der Karten spannender zu machen und dem Tarot ein geheimnisvolles Flair zu geben. Eines haben jedoch alle Anekdoten über den Tarot gemeinsam: die Idee, dass es sich bei den Karten um ein sehr weises System handelt.

Wechselvolle Geschichte

Die erste Erwähnung finden Karten irgendwann im 14. Jahrhundert – und zwar parallel an verschiedenen Orten durch Verbote: so wurde beispielsweise im Jahre 1344 in Florenz ein Kartenspiel namens „Naibbe“ untersagt, 1376 wurde dort ein generelles Verbot aller Kartenspiele ausgesprochen. 1378 wurde in Regensburg und 1380 in Nürnberg ein Kartenspielverbot verhängt. Weitere Verbote fanden in Straßburg (1394) sowie Augsburg (1400) statt. Erst später kann man in der Kartengeschichte den Beruf des „Kartenmachers“ finden: In Deutschland findet er erstmals in Frankfurt um 1393 Erwähnung. In Spanien taucht erstmals 1465 die Innung der „Naiperii“ (Kartenmacher) auf. Wir können also davon ausgehen, dass die Karten teilweise als Gesellschafts- und Unterhaltungsspiel verwendet wurden. Verboten wurden Sie nicht wegen der Wahrsagerei, sondern um das Risiko der Glücksspiele einzudämmen. Alles was vorher geschah, ist unklar und ungenau und fußt meist auf Vermutungen und Spekulationen.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts erreichte der Tarot weltweite Berühmtheit. Ausschlaggebend hierfür war der Orden des „Golden Dawn“, der 1888 in England gegründet wurde und ein Nachfolger des Rosenkreuzer Ordens war. Der Orden entwickelte ein eigenes Tarotdeck („Golden-Dawn-Tarot“), das bis heute erhältlich ist. Aus diesem Orden gingen auch Tarotexperten wie Arthur Waite und Aleister Crowley hervor, die die moderne Tarotwelt nachhaltig prägten. Auf ihre Karten wird in Kapitel 2 dieser Serie ausführlich Bezug genommen.

Struktur und Aufbau des Tarotdecks

Da sich unsere heutigen Kartenspiele mit dem Tarot in Struktur und Aufbau sehr ähneln, ist anzunehmen, dass die Karten den gleichen Ursprung haben. Insbesondere die spanischen und italienischen Spielkarten sind den Tarotkarten in den kleinen Arkana des Tarots sehr ähnlich. So kann man von folgender Entsprechung ausgehen:

Entsprechnungen der Kartensymbole
Symbol im Tarot Franz. Spielkarten Deutsche Spielkarten Span./italien. Spielkarten
Stab Kreuz Eichel Keule/Stab
Schwert Pik Blatt Schwert
Kelch Herz Herz Kelch
Münze Karo Schellen Münzen

Große und kleine „Geheimnisse“

Ein Tarotdeck besteht aus insgesamt 78 Karten, wovon 22 als  „große Arkana“ („Arkanum“ = lat. „Geheimnis“)  und die restlichen 56 als „kleine Arkana“ bezeichnet werden. Wie bei den herkömmlichen Kartenspielen besteht der Satz der kleinen Arkana  aus 4 „Farben“ (die so genannten „Elemente“ Stäbe, Schwerter, Kelche und Münzen bzw. Kreuz, Pik, Herz und Karo), die nochmals in Zahlenkarten und Hofkarten unterteilt sind.

Wir können also davon ausgehen, dass Tarot und Spielkarten verwandt sind, vielleicht sogar den gleichen Ursprung haben. Besonders die spanischen und italienischen Spielkarten sind unserem Tarot sehr ähnlich. Unklar ist dabei, wie die großen Arkana entstanden; man weiß nicht, ob sie den Kartenspielen entnommen oder hinzugefügt wurden. Für Ungereimtheiten sorgt auch stets der „Joker“ in den Spielkarten – manche vermuten den früheren Narren in ihm, der so in abgewandelter Form beim Kartenspiel erscheint.

Über den Hintergrund der 4 „Farben“ (Elemente)  wurde ebenfalls viel spekuliert; in erster Linie werden sie mit den vier klassischen Elementen, die wir aus der Astrologie kennen, in Verbindung gebracht. So entsprechen die Stäbe dem Element Feuer, Schwerter der Luft, Kelche dem Wasser und die Münzen der Erde. Auffallend ist auch, dass bereits früher eine Unterscheidung der Zeichen nach Polarität (männlich / weiblich) erfolgt sein muss, denn auf französischen Spielkarten sind die sog. männlichen Zeichen Pik und Kreuz schwarz dargestellt, während die weiblichen Zeichen Herz und Karo in roter Farbe gehalten sind.

Wie funktioniert das Kartenlegen?

Was hat es nun mit diesen 78 Karten aus Papier, mit denen sich offensichtlich Vergangenheit, Gegenwart und auch Teile der Zukunft hinterfragen lassen, genau auf sich? Wie „funktioniert“ der Tarot und wie kommt es, dass er zur richtigen Zeit unsere Anliegen so treffend widerspiegelt?

Schon die Mayas kannten das Prinzip der Zeitsynchronität

Der Psychologe Carl Gustav jung vertrat die interessante und stimmige These der Zeit-Synchronizität. Diese Theorie der Zeitgleichheit impliziert, dass jeder Augenblick seine eigenen Merkmale hat. Mit anderen Worten heißt das, dass wir die Zeit nur als Maßeinheit kennen, die sich linear einteilen lässt: Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. Zeit hat für unsere Kultur also primär einen quantitativen Wert, der sich messen lässt. Es gibt aber auch noch eine Qualität der Zeit, die besagt, dass jeder Moment seine bestimmten Merkmale hat und sich auf verschiedenen Ebenen spiegelt. Wir kennen diese Theorie aus den alten hermetischen Gesetzen („wie oben so unten“), und diese kommen in weiteren esoterischen Disziplinen zum Tragen, wie z.B.  in der Astrologie oder im Kalander der Mayas.

Das heißt also, dass genau in dem Moment, in dem wir uns zu einer bestimmten Frage die Karten legen, sich die Frage in den Karten widerspiegelt und zusätzlich wichtige Erkenntnisse zutage gefördert werden, die in unserem Unterbewusstsein schlummern. Das Thema Zeit-Synchronizität könnte auch eine Erklärung dafür sein, weshalb bei mehreren Legungen zur gleichen Frage oftmals viel Unsinn in den Karten zu stehen scheint bzw. die Aussagen so unklar und verwässert sind, bis man letztendlich genauso schlau ist wie vorher (für Anfänger, die so lange legen, bis etwas „Positives“ herauskommt, oft gefährlich): Nach mehrmaligem Befragen zum gleichen Thema scheint der Zeitradius immer „enger“ zu werden; meist ist dann feststellbar, dass die Kartenbilder die gegenwärtige Situation samt ihrer Wünsche und Befürchtungen anzeigen.

Nutzen und Anwendung

Die Informationen, die wir vom Tarot erhalten, teilen sich erster Linie bildhaft und durch Symbole mit. Der Kartenleger macht also nichts anderes, als diese Bilder in unsere Sprache zu „übersetzen“. Eine Karte hat viele Facetten, ein konkretes Ereignis wie z.B. Geburt, Heirat oder Tod lässt sich nicht explizit herauslesen, ebenso wenig ein genaues Datum oder die Uhrzeit. Der Tarot ist ein sehr gutes Instrument, um die Synchronizität der Zeit auf mehreren Ebenen zu entschlüsseln. Er dient mit dieser Funktion primär als guter Ratgeber, der zur rechten Zeit die rechte Antwort gibt, uns dabei weder Entscheidungen abnimmt noch das Leben als unabänderliches Schicksal darstellt.

Ein weiser Ratgeber

Den Tarot kann man mit einem alten Weisen oder einem guten Freund vergleichen, den wir jederzeit um Rat fragen können, der unser Denken anregt und uns zu Eigenverantwortung motiviert. Das heißt also, dass der Tarot sehr hilfreich ist, wenn wir Entscheidungshilfe brauchen. Auch ermuntert er uns, wenn wir uns nicht sicher sind, welche Vorgehensweise die richtige ist, um ein Ziel zu erreichen.

Ebenso können wir den Tarot befragen, wenn wir am momentanen Stand einer Entwicklung interessiert sind und Einblick in die Zukunftstendenzen haben möchten.
Oftmals stellen wir uns die Frage: „Warum passiert gerade mir das?“ – Hier kann der Tarot sehr gut die Hintergründe und Ursachen einer Angelegenheit darlegen. Und natürlich gibt uns der Tarot Ratschläge, wenn wir wissen möchten, wie ein Problem zu lösen ist.

Wenn wir den Tarot also genauso befragen, wie wir es mit einem alten Weisen oder guten Freund tun würden, und wenn wir uns der Aussagegrenzen und der eigenen Verantwortung stets bewusst sind, dann leisten die Karten beste Dienste: Sie zeigen uns auf, wie wir zur rechten Zeit am rechten Ort sein können, sie warnen uns vor Fehltritten und helfen, unser Leben in die Hand zu nehmen.