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Königin der Stäbe

Ruediger Lembcke

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Hofkarten gelten im Allgemeinen als schwer zu deuten, weil sie in Legungen Personen darstellen, genauso gut aber auch nur bestimmte, ihnen zugeordnete Kräfte symbolisieren können. Im Tarot gehören sie zwar zu den kleinen Arkana, sind im Grunde aber eine ganz eigene Gattung der Archetypen, die noch die stärkste Verbindung in die Zeit darstellt, in der die Tarotkarten als reine Spielkarten genutzt wurden. 

Rider-Waite: „Königin der Stäbe“.

Lust auf Leben – und auf Sex

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Crowley und Waite nach ihren Vorgaben von zwei begabten Malerinnen die beiden heute populärsten Tarotdecks (Der Thoth-Tarot“ und der „Rider-Waite-Tarot“) gestalten ließen, waren die Tarotkarten von diversen, okkult interessierten Gelehrten jedoch schon zur Geheimwissenschaft erhoben worden. Im „Hermetic Order of the Golden Dawn“, einem magischen Orden, dem beide Männer angehörten, galt der Tarot als fester Bestandteil der Ordenspraxis und wurde vielseitig eingesetzt: Man sah in ihm den Schlüssel der Weisheit und die verbildlichte Darstellung der Kabbala, der alten, jüdischen Geheimlehre; in seinen wahren Mysterien nur den erfahrenen und ausgebildeten Ordensmitgliedern zugänglich.

Zugleich wurden die Karten in den niederen Graden, also bei Anfängern und Schülern, auch zur Ausbildung der Intuition benutzt, in dem sie auf „Zigeunerart“, also mit Fokus auf möglichst genaue Zukunftsprognosen, gelegt und gedeutet wurden. Von dieser Methode des Deutens ist heute noch am meisten in den Hofkarten zu spüren. Es sind allesamt Personenkarten, denen menschliche Charaktereigenschaften zugeordnet waren und die in den damaligen Deutungen immer bestimmte Menschen anzeigten: In der damals praktizierten Art, Tarot zu legen, hieß die erste Karte „Signifikator“ und sollte die Person oder das Ereignis darstellen, um das es in der Legung ging. Als Signifikator wurde meist vor der Legung die Figur aus den Hofkarten gewählt, die die Eigenschaften der betroffenen Person am stärksten verkörperte. Mit dieser Karte als Ausgangspunkt oder Anker wurden dann die restlichen Karten gelegt.

Thoth Tarot

Die Hofkarten des Thoth Tarot, geschaffen von Aleister Crowley und Lady Frieda Harris, bestehen aus Rittern, Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen. Crowley hat die Zuordnung zur Kabbala übernommen und erklärt in seinem Buch, dass die vier unterschiedlichen Adelsränge die vier hebräischen Buchstaben des Namens Gottes, „Jahwe“ („Yodh Hé Vau Hé“) symbolisieren.

Weiterhin entsprechen sie den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft. Die Königin ist dem Feuerelement, dargestellt durch die Stabenergie, zugeordnet. Zugleich steht sie für den 2. Buchstaben: Hé. Unter den Hofkarten verkörpert sie die empfangende Qualität eines jeden Elementes, das einfühlende Verständnis in das Wesen des Elementes. Sie regiert also die Welt der Gefühle. In der Vermischung von Gefühlen mit der Tatkraft und Energie des Feuers steht die Karte für eine Eigenschaft in besonderem Maße: Leidenschaft.

Thoth Tarot

Auf einem Flammenthron sitzend hält die Königin mit der einen Hand den Stab als Symbol Ihrer Tatkraft und streichelt mit der anderen Hand den Kopf eines Leoparden, der ihre Verbindung zu ihren Trieben und animalischen Instinkten symbolisiert und damit ihre Verwandtschaft zu der Karte „Lust“ anzeigt. In manchen Büchern heißt es, der Leopard sei ursprünglich ein Panther gewesen, ebenso schwarz wie das lange Haar der Königin.

Als Zeichen ihrer Verwandlung wurde das Haar gold und aus dem Panther wurde der Leopard, der die schwarzen Flecken als Erinnerung an die Schatten ihrer Vergangenheit und Mitgefühl für andere, unerlöste Seelen, trägt. Die Krone aus Feuerstrahlen zeigt die Schöpferkraft und Lebensenergie, die die Königin empfängt und weitergeben kann.

Flammende Herzen: Die Königin der Stäbe ist eine leidenschaftliche Karte

Das Reich dieser Hofkarte ist die leidenschaftliche, in der Welt verwurzelte Liebe und alle damit verbundenen Emotionen. Sie hat große Lebenslust, den Willen, sich im Leben zu behaupten, und doch zugleich den Weitblick und die Intuition, über das Oberflächliche hinaus in die Tiefe zu sehen. Die große Energie, die sie als Herrin der Stäbe verkörpert, fließt nicht nur in ihren Willen, sondern vor allem auch in ihre Fähigkeit zu Wandlung und Selbsterkenntnis. Ihre tiefe Bereitschaft, sich den Lernaufgaben des Lebens zu stellen und an der Liebe und den Erfahrungen, die sie durchlebt und durchleidet, zu wachsen, ist ihre größte Besonderheit und das, was ihre Reife ausmacht. Sie sieht mit dem Herzen und alles, was sie macht, geschieht mit Hingabe, Leidenschaft und Tiefe.

Im täglichen Leben begegnet sie uns als eine temperamentvolle, mutige, zielstrebige und selbstbestimmte Frau mit viel Energie – und starker Libido. Nicht von ungefähr übt die Sinnlichkeit und das charismatische Temperament, das sie ausstrahlt, einen besonderen Reiz auf das andere Geschlecht aus, denn gerade im Bereich der Sexualität fühlt sie sich in ihrem Element. Im Liebesleben kann sie ihre Eigenschaften so richtig entfalten und in den intensiven Gefühlen, die in der Begegnung mit dem Anderen entstehen, viel an Selbsterkenntnis über ihre eigenen Wünsche und Begierden gewinnen. Doch ebenso ist sie als Managerin oder selbstbewusste und dennoch warmherzige Karrierefrau auch erfolgreich im Berufsleben.

Die Schattenseite der Königin

Neben vielen guten Eigenschaften besitzt die Königin aber auch Schatten, die in Legungen vor allem dann in Erscheinung treten, wenn die Karte ungünstig liegt oder sich umgedreht zeigt. Dann verkörpert die Mutter der Leidenschaft auch weniger schöne Eigenschaften wie Herrschsucht, Eitelkeit, Eifersucht, Egoismus oder Rücksichtslosigkeit.

Crowley selbst spricht der Königin Ausdauer, ruhige Autorität, Anziehungskraft, Ekstase und Stolz zu. Er nennt sie „freundlich und großzügig, doch beim Auftreten von Widerspruch ungeduldig. Sie hat eine unerschöpfliche Fähigkeit zu Freundschaft und Liebe, doch immer auf eigenem Antrieb beruhend.“

In heutigen Legungen stellt die Königin entweder eine Frau dar, die über die hier beschriebenen Qualitäten verfügt, oder einen Zustand. Eher selten steht sie für einen Mann. Da beides möglich ist, nämlich, dass es sich um eine Person aus unserem Leben handelt oder eben eine besondere Eigenschaft aufgezeigt wird, ist hier die Intuition des Kartendeuters ganz besonders gefragt. Ein Grundrezept zur richtigen Deutung gibt es jedenfalls nicht, es sei denn, man legt vor einer Legung fest, dass die Hofkarten nur Personen darstellen sollen.

Die Selbsterkenntnis

Als Eigenschaft ist diese Karte immer ein Anzeiger für eine Phase, in der wir große Tatkraft und sexuelle Lust erleben. Weiterhin zeigt sie an, dass wir in der Lage sind, unseren Willen im angezeigten Bereich zielstrebig zu verfolgen, ohne dabei jedoch unsere Gefühle und Warmherzigkeit zu verlieren.

In der Interpretation von Crowley und seiner Malerin, Lady Frieda Harris, liegt der Fokus dieser Königin in ihrer Leidenschaft sowie ihrer Fähigkeit zur Reflexion und Wandlung. Inzwischen gibt es jedoch eine Vielzahl von Kartendecks, in denen die Königin in Nuancen unterschiedlich dargestellt wird. Das bekannteste von allen, das Rider-Waite-Tarot zum Beispiel sieht die Königin weniger ekstatisch, sondern hebt mehr ihre geschäftstüchtige Seite hervor.

In allen Decks ist sie jedoch diejenige unter den hohen Damen, die am allermeisten Temperament, Lebenslust und Wärme verkörpert – und dennoch die Fähigkeit besitzt, aus all ihren intensiv durchlebten Erfahrungen Selbsterkenntnis zu gewinnen.

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