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Kipperkarten – Teil 1

Angelis Gampierakis

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Frau Kipper und ihre Karten

Kein Eintrag in den Geschichtsbüchern

Wer sich auf die Suche nach den Ursprüngen der Kipperkarten macht, wird wahrscheinlich schnell an seine Grenzen stoßen. Auf diese Expedition haben sich schon viele eingelassen. Bisher ist aber nur wenig dabei herumgekommen. Kein Wunder, denn das erste Problem stellt sich bereits bei der Eröffnungsfrage: Wer um alles in der Welt hat dieses Kartendeck eigentlich erfunden? Etwas weiter zurückblicken in die Geschichte konnte zumindest die Autorin Anne Biwer. Sie fand heraus, dass die Karten 1873 von einer Frau namens Susanne Kipper entworfen wurden – einer Berlinerin, die in München lebte.

Um 1890 kamen die Karten dann durch den Münchener Schreibwarenhändler Matthias Seidlein unter dem Titel: „Karten der berühmten Wahrsagerin Frau Kipper“ in Umlauf. Kein schlechter Zeitpunkt, der Vertrieb der Karten lief auf Hochtouren. Denn Deutschland erlebte eine Boom-Zeit für Orakel und Wahrsagerei aller Art. Die Kipperkarten erschienen mit einem kleinen Begleitheft, das Instruktionen zum Legen und Deuten der Karten enthielt. Seltsam ist, dass sich nach diesem Startschuss der Veröffentlichung der Kipperkarten auch die Spur der mysteriösen Erfinderin endgültig verliert. Nach einigen Neuauflagen fielen die Kartenrechte 1920 an die Firma F.X. Schmid. Seitdem wurden die Bilder aufgrund eines technischen Druckfehlers seitenverkehrt abgebildet. So wenig Informationen es auch zu den Hintergründen der Kipperkarten gibt, eines ist sicher: Die Rätsel, die mit ihrer Herkunft verbunden sind, machen dieses Kartendeck nur reizvoller und vielleicht sogar unsterblich.

Sinn und Zweck der Kipperkarten

Kipperkarten sind keine typischen Tarotkarten, denn sie geben keinen Aufschluss über verschleierte Seelenzustände oder zeigen konkrete Lösungswege aus einer Krisensituation auf. Ähnlich den Lenormandkarten zählen sie vielmehr zu den reinen Wahrsagekarten und dienen besonders der Vorhersage von Ereignissen, die bis zu neun Monate in die Zukunft reichen können. Auf den ersten Blick wirken die Kipperkarten eher altbacken, einfach gestrickt, vielleicht sogar naiv in ihrer Darstellungsweise. Das liegt allerdings nur daran, dass die Karten das ganz normale Leben abbilden und anpreisen. Schnörkellos und ohne Firlefanz geht es um die Eckpfeiler unserer Existenz, den nackten Alltag und das damit verbundene Ziel, dabei so authentisch wie möglich zu sein.

Dazu gehören eine Vielzahl von Beziehungskonstellationen, die sich hier auf allen erdenklichen zwischenmenschlichen Ebenen abspielen: Es gibt zum Beispiel zwei Hauptpersonen (weiblich/männlich), eine Karte für ein festes Beziehungsverhältnis, ein passendes Pendant für Vater und Mutter, ein kleines Kind, eine falsche Person sowie großes Gefühlskino menschlicher Lebenszustände wie Aufbruchsstimmung/Reise, Sesshaftigkeit/Haus, Veränderung, Krankheiten und Todesfälle, traurige und gute Nachrichten, Kummer und Glück, Diebstahl oder Geldsegen. Auf diese Weise lässt sich das Leben in all seiner Breite widerspiegeln und bleibt zukunftstauglich – selbst heute noch und fast 150 Jahre später.

Auf den zweiten Blick

Man könnte meinen, dass die Kipperkarten wegen ihrer vermeintlichen Schlichtheit und großen „Familienbande“ ein ideales Einstiegsdeck seien, um sich in der Kartenlegekunst auszuprobieren. Tatsächlich aber hält das Deck die eine oder andere Falltüre bereit, die es oftmals gerade Anfängern leicht macht, ins Bodenlose zu fallen.

Denn gerade die Vielzahl der Akteure kann reichlich Verwirrung stiften und für Verzettelungen sorgen. Und wenn die Symbolsprache der Karten auf den ersten Blick auch schlicht erscheint, fällt sie auf den zweiten Blick schon wieder ebenso vieldeutig aus. Denn einfache Bilder lassen sich oft auch nur einfach beschreiben. Um den Fragesteller also nicht sprichwörtlich in der Luft hängen zu lassen, braucht es bei den Kipperkarten nicht nur ein ausgeprägtes interpretatorisches Verständnis und eine intuitive Begabung, sondern auch ein breites esoterisches Allgemeinwissen, um ihren tiefer liegenden Symbolbedeutungen und versteckten Sinngehalten gerecht zu werden.

Jetzt geht’s los: Das Wesen der 36 Kipperkarten

Jetzt aber verraten wir Ihnen endlich, was jede Karte über sich selbst sagt und wofür sie steht. Hierfür geben wir zu jeder Karte ein Kombinationsbeispiel, das als kleine Interpretationshilfe dient und Ihnen zeigt, auf welche Weise man die Karten miteinander in Beziehung setzen kann. Wichtig ist, dass diese Beispiele nur einen kleinen Deutungsbereich im Gesamtgefüge ausfüllen. Grundsätzlich gilt, alle umliegenden Nachbarkarten müssen in die Gesamtdeutung einer Legung stets miteinbezogen werden. 

Karte Nr. 1 + 2

Beide Personenkarten (Mann und Frau) stehen jeweils stellvertretend für den Fragesteller. Sind beide Karten mit von der Partie, wird damit der unmittelbarste Lebens- bzw. Liebespartner verbunden. Alle Karten, die direkt über den beiden Hauptpersonen liegen, zeigen ihre Gedankenspiele an. Die unterliegenden Karten repräsentieren den Ist-Zustand der Gegenwart. Und während linksliegende Karten ein Zeichen der jüngsten Vergangenheit sind, deuten die Rechtsliegenden auf etwas, was dicht bevorsteht.

Kombinationsbeispiel Die Hauptpersonen Nr. 1 & 2

Liegen beide Hauptpersonen nah beieinander, schlagen zwei Herzen im Gleichklang und in der Partnerschaft läuft alles nach Plan. Befindet sich eine Karte oberhalb, bedeutet das, dass man viel an diesen Partner denkt. Eine unterhalb liebende Hauptperson signalisiert dagegen, dass das Interesse eher einseitig ist und nur von einem Partner ausgeht.

Karte Nr. 3

Die Ehestandskarte wird auch Bindungskarte genannt. Denn sie bedeutet nicht nur Heirat und Beziehung, sondern steht für jegliche Art von Bindungen, wie auch Geschäftsbeziehungen oder Bindungen an persönliche oder materielle Dinge.

Kombinationsbeispiel Ehestandskarte Nr. 3 & Hauptperson Nr. 1 oder 2

Bei dieser Kombination stehen alle Zeichen auf Partnerschaft. Pro oder contra – es ist jetzt nur noch eine Frage der Ausrichtung: Liegt die Karte 3 über der Hauptperson, wird über eine feste Beziehung nachgedacht, liegt sie unterhalb, spielt die Beziehung evtl. keine große Rolle mehr. Eine Karte 3 auf der linken Seite der Hauptperson signalisiert das Ende einer Beziehung, während sie auf der rechten Seite nur noch darauf wartet, in Erfüllung gehen zu dürfen.

Karte Nr. 4

Keine Zeit für Alleingänge. Diese Karte verspricht – ob beruflich oder privat – eine gesellige Runde unter Leuten, einen Tag mit Kollegen, Familie, Freunden oder Bekannten.

Kombinationsbeispiel Zusammenkunft Nr. 4 & Ehestandskarte Nr. 3

Mit dieser Karte als Nachbarn wird auf eine Hochzeitsfeier hingewiesen. In Verbindung mit der Karte Nr. 7, dem angenehmen Brief, kann man davon ausgehen, in Kürze eine Einladung zu den Festlichkeiten zu erhalten.

Karte Nr. 5 + 6

 

Sowohl der „Gute Herr“ als auch die „Gute Dame“ stehen für eine ältere oder reife Persönlichkeit, die zumeist mitten im Leben steht und dort auch sicher angekommen ist. Dabei können sie in verschiedene Rollen schlüpfen wie Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Onkel, Tante, Freund, Freundin, Ehemann und –Frau oder auch den Arbeitgeber verkörpern. Ein Deutungsbeispiel: Hat der Fragesteller möglicherweise eine Affäre, können beide Karten den Ehepartner symbolisieren.

Kombinationsbeispiel Gute Dame Nr. 6 & Ehestandskarte Nr. 3

Eine ältere bzw. reife und treuherzige Dame ist verheiratet oder es liegt zumindest eine Eheschließung in der Luft. Wenn die Ehestandskarte nämlich über der Karte 6 steht, bedeutet das, dass die „Gute Dame“ intensiv über eine Ehe oder feste Beziehung nachdenkt.

Karte Nr. 7

Die Mitteilungskarte. Mit ihr flattert eine wichtige Nachricht ins Haus. Der Brief steht hier stellvertretend für alle Arten der Kommunikation wie beispielsweise Verträge, Dokumente, Telefonate, Emails oder auch ein persönliches Gespräch unter vier Augen. Ob es sich allerdings um gute oder schlechte Post handelt, können nur die Nachbarkarten beantworten.

Kombinationsbeispiel Angenehmer Brief Nr. 7 & Die Hauptpersonen Nr. 1 & 2

Es gibt jede Menge Gesprächsstoff. Entweder werden die Hauptpersonen interessante Unterhaltungen führen oder sie erhalten eine dringende Botschaft. Aber Dinge können auch „zerredet“ werden und das wiederum kann auf die Nerven gehen. Liegt die Karte Nr. 7 nämlich unter einer Hauptperson, kann sie darauf aufmerksam machen, dass man zurzeit eher ein Bedürfnis nach Ruhe hat.

Karte Nr. 8

Die „Falsche Person“ rät zur Vorsicht, denn das Leben spielt nicht immer fair. Sie zeigt an, dass im Augenblick der eine oder andere Stolperstein im Weg liegt. Vielleicht fühlt man sich ungerecht behandelt oder man bemerkt, dass nicht jeder ein ehrliches Spielchen treibt. Um keine Enttäuschung zu erleben, weist die Karte Nr. 7 daraufhin, persönliche Entscheidungen, Ziele oder Wünsche noch einmal in Ruhe zu überdenken.

Kombinationsbeispiel Falsche Person Nr. 8 & Zusammenkunft Nr. 4

Diese Konstellation zeigt ein klares Bild. Jemand oder auch mehrere Personen führen nichts Gutes im Schilde. Zumindest legt die gesellige Gesellschaft nicht alle Karten auf den Tisch und es gibt Ungereimtheiten. Ein gesundes Maß an Misstrauen kann vor bösen Überraschungen schützen.

Karte Nr. 9

Mit dieser Karte liegt was in der Luft – eine Veränderung. Sie kann für alle Lebensbereiche stehen. Für welchen, verrät die unmittelbare Nachbarschaftskarte. Sie kann so zum Beispiel auf einen Umzug, eine neue Liebe oder auch einen Geldsegen hinweisen.

Kombinationsbeispiel Eine Veränderung Nr. 9 & Ehestandskarte Nr. 3

Für Singles wird es durch eine in Aussicht gestellte Partnerschaft einen Lebenswandel geben. Und der ist in solchen Fällen auch oft mit einem Umzug, einem Stadtwechsel evtl. auch einem neuen Freundes- oder Bekanntenkreis verbunden. Aber auch für diejenigen, die bereits in einer Beziehung stecken, kann diese Kombination bedeuten, dass ein neuer Partner ins Haus steht und die alte Beziehung bröckelt.

Am Montag, den 06. April, finden Sie hier unseren zweiten Teil der Kipperkarten Serie. Dann zeigen wir Ihnen die Geheimnisse der Karten 10 bis 18.