nic

Keine Angst vor dem Eremiten!

Theresa Osenstaetter

Bereich: berater-finden

Bewertung:
Gratis anrufen ►

Welche Botschaft hat der Eremit für uns?

Um es vorweg zu nehmen: Eine einfach klingende, doch nicht so einfach zu erfüllende Botschaft! Der Eremit verlangt von uns „Ernsthaftigkeit“ und damit ist nichts anderes gemeint, als die Ernsthaftigkeit uns selber gegenüber. Der Eremit möchte, dass wir uns treu bleiben und uns nicht ständig von unserem Umfeld ablenken lassen von unserem ureigenen Weg.

Wo können wir diese Botschaft im Kartenbild erkennen?

Beginnen wir mit der Zahl 9, die zum Eremiten gehört. Diese Zahl hat eine faszinierende Eigenschaft: Egal, mit welcher Zahl ich die Neun multipliziere– die Quersumme ergibt immer wieder Neun! So ergibt zum Beispiel: 9 x 3 = 27 => 2 + 7 = 9 oder: 9 x 6 = 54 => 5 + 4 = 9. Das heißt also, die 9 bleibt sich immer selber treu, sie bleibt neutral, sie mischt sich nicht ein. Das zeigt sich auch in der Tatsache, dass die Addition mit der Zahl Neun eine Quersumme nicht verändert. Auch hier ein Beispiel: Die Zahl 231 ergibt in der Quersumme 2 + 3 + 1 = 6. Wenn ich nun zu 231 die Zahl 9 addiere (231 + 9 = 240), erhalte ich in der Quersumme wieder die 6 (2 + 4 = 6). Diese Treue zu sich selber finde ich eine spannende Analogie der Zahl 9 zu der Bedeutung des Eremiten.

Auch in den kleinen Arkanen haben die 9-er-Karten alle eine Zentrierung nach innen. Die Neun ist die letzte einstellige Zahl vor der Zehn – damit verkörpert sie auch die Sammlung vor dem Schritt ins Neue, sie ist eine Zahl des Übergangs. Außerdem hat sie eine helfende Symbolik – sie hilft jeder Zahl in der Addition über die Zehnerschwelle (9 + 1 = 10). Im „richtigen Leben“ finden wir das Thema der Neun als Zahl des Übergangs zum Beispiel in den 9 Schwangerschaftsmonaten: Diese dienen als Vorbereitung für das Leben „draußen“. Die Zahl Neun ergibt sich auch aus 3 x 3 – die Zahl drei haben wir als „himmlische“ Zahl kennen gelernt, damit hat die Neun als Potenzierung der 3 auch spirituelle Themen und wird auch als Einweihungszahl bezeichnet.

Damit sind wir schon mitten im Bild des Eremiten. Der Eremit steht für die Treue zu sich selber, für Selbsterkenntnis und die tiefe innere Wahrheit, die sich uns meist nur dann erschließt, wenn wir uns vom Lärm der Welt zurückziehen und nach innen horchen. Der Eremit möchte nicht, dass wir uns isolieren, aber dass wir unabhängig von anderen bleiben und uns nicht selber verleugnen, weil es oft bequemer ist.

Symbolik:

Beim Rider-Waite-Tarot sehen wir auf der Karte Nr. 9 einen schneebedeckten Gipfel, auf dem ein bärtiger Einsiedler in grauer Kleidung und Kapuze selbstversunken auf den Boden schaut. Er hält in der rechten Hand eine leuchtende Laterne und in der linken Hand einen gelben Stab. Es fällt auf, dass als Farben nur Grau- und Weißtöne und gelb gewählt wurden. Dieses Phänomen kann so gedeutet werden, dass der Eremit keine Ablenkung durch die bunte Welt erfährt, und dass die Wahrheit meist einfach und schlicht ist und kein Schwarz-/Weiß-Denken kennt. Die gedeckten Farben betonen auch die Ernsthaftigkeit, die Tiefe und die Klarheit, die der Eremit auf seinem Weg nach innen verkörpert. Die Kapuze verhindert zusätzlich, dass er sich ablenken lässt, sie schirmt den Eremiten quasi vor Einflüssen von außen ab. Die Laterne mit dem sechseckigen Stern ist Sinnbild für sein inneres Licht und weist ihm selber oder anderen den Weg, der Stab gibt ihm Halt und Sicherheit. Der Berggipfel steht für die Höhe der Erkenntnis, also für den Gipfel dessen, was wir erkennen können, wenn wir unserem inneren Licht folgen. Die Erleuchtung können wir nicht in einem Seminar mit einem Guru erlangen, sondern nur durch Kontemplation, Konzentration und Aufmerksamkeit nach innen – und mit viel Geduld.

Bedeutung:

Der Eremit fordert von uns, dass wir uns mit uns selber auseinander setzen und unsere eigene Wahrheit finden. Er fordert uns auf, unsere eigene Handschrift zu entwickeln und uns nicht von anderen beeinflussen zu lassen. Er verlangt, dass wir nach unseren individuellen inneren Gesetzen leben. Das braucht Mut und Selbstbewusstsein! Letztendlich will uns der Eremit darauf aufmerksam machen, dass jeder Mensch seinen ganz individuellen Weg hat, seine ganz individuelle Eigenart, zu der wir stehen sollen und die wir bestmöglich entfalten können. Der Eremit hat einiges vom Steinbock/ Saturn-Prinzip, da auch Saturn in seiner entwickelten Form von uns fordert, unsere eigenen Gesetze zu schaffen und Verantwortung für unser Tun zu übernehmen. Auch Saturn steht für Ernsthaftigkeit und eine gewisse Bescheidenheit, er ist der „alte Weise“ – wie der Eremit. Er ist auch eine Art „TÜV“ – er überprüft, ob wir authentisch leben oder ob wir uns in einem Lebensbereich versklavt haben. Wo immer der Eremit in einer Legung auftaucht, ist es wichtig, die Aufmerksamkeit nach innen zu lenken, um Klarheit zu bekommen. Manchmal ist in unserer hektischen Gesellschaft dazu ein konkreter vorübergehender Rückzug notwendig, zum Beispiel in Form von einem Schweigeseminar im Kloster oder einer einsamen Bergwanderung.

In Beziehungsfragen…kann uns der Eremit je nach Fragestellung auffordern, zu überprüfen, ob wir noch bei uns selber oder schon völlig mit dem Partner verschmolzen sind und unsere „Eigenart“ verloren haben. Es kann wichtig sein, dass wir uns unserer Wünsche und Bedürfnisse wieder klarer bewusst werden, weil wir vielleicht einige davon verleugnet oder verdrängt haben. Manchmal verlangt der Eremit auch in der Tat einen Rückzug aus der Beziehung, meist aber nur vorübergehend, denn die Karte „der Tod“ spräche eher für eine Trennung. Im besten Sinne kann es in einer Beziehungsfrage auch darum gehen, gemeinsam die Tiefe der Partnerschaft auszuloten.

In beruflichen Fragen…hat der Eremit viel mit Berufung und innerer Erfüllung im Beruf zu tun. Er überprüft, ob wir unsere tägliche Arbeit nur für den Broterwerb verrichten, oder ob der gewählte Beruf uns auch zutiefst entspricht und innerlich berührt. Es gibt viele Menschen, die am Sonntagnachmittag schon Kopfschmerzen bekommen, wenn sie an den Montag denken, an dem eine neue Arbeitswoche beginnt. Spätestens da sollten wir darüber nachdenken, was wir wirklich brauchen, um mit Freude in die Arbeit zu gehen. Oft kann der Eremit in Berufsfragen auch anzeigen, dass wir vor einem entscheidenden neuen Schritt stehen und uns erst sammeln sollten, bevor wir mit neuer Kraft, innerer Gewissheit und Standfestigkeit den neuen Weg gehen. Manchmal zeigt er an, dass es notwendig ist, mal wieder zur Ruhe kommen.