Tarot-Schule – Die verschiedenen Legesysteme

Harald Barth

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tarotschule_4_1_162x162Es gibt inzwischen unzählige Legesysteme, von sehr einfachen und übersichtlichen bis hin zu sehr komplexen und umfangreichen. Es gibt Tarotberater, die alle 78 Karten auslegen. Wer sich jedoch nicht in einer so vieldeutigen Interpretation verlieren möchte, kann durchaus auch „kürzer treten“. Denn oft gilt auch hier die Devise: „Weniger ist mehr“ – vor allem am Anfang.

Woher kommen diese Legesysteme und wofür brauchen wir sie?

Sie wurden alle kreiert von Menschen, die sich mit Tarot befassen, und sie sind nach den Bedürfnissen der Frager komponiert. Bei vielen Legesystemen lässt sich der geistige Vater oder die geistige Mutter nicht mehr zuordnen. Ziel ist es, für eine Frage ein möglichst passendes und alle „Unterfragen“ abdeckendes Legesystem zu finden.

Erfahrungsgemäß geht es in den meisten Tarotbefragungen um 4 Themen:

1. Beziehungen, Liebe
2. Beruf, Geld
3. Gesundheit
4. Selbsterkenntnis

Folgende Arten von Fragestellungen lassen sich zu diesen Themen unterscheiden:

1. Tendenz und Perspektive (Wie entwickelt sich eine bestimmte Situation?)
2. Allgemeine Prognose über einen bestimmten Zeitraum (Neujahrslegungen oder bei Geburtstagen)
3. Handlungsanweisung (Was soll ich tun oder lassen, wie kann ich mein Ziel erreichen?)
4. Entscheidungsfragen
5. Fragen, wie mit Krisen oder Problemen umzugehen ist

Zu allen diesen Themen und Fragestellungen gibt es unzählige Legesysteme. Aber es geht auch ohne: Die einfachste Möglichkeit besteht darin, nur eine Karte zu einem Thema zu ziehen. Hilfreich ist es dabei, vorher zu definieren, was ich von dieser Karte wissen möchte. Soll sie eine Tendenz anzeigen oder mir eher eine Handlungsanweisung geben? Soll sie mir Gefahren aufzeigen oder mir sagen, wie ich bisher mit dem Thema umgegangen bin? Je unklarer ich die Frage formuliere, desto unklarer wird auch die Antwort, und die Gefahr des „Zurechtbiegens“ der Antwort ist groß.

Ein Beispiel: Eine Frau möchte etwas über ihre Beziehung wissen und zieht ohne konkrete Fragestellung die Königin der Stäbe. Wie ordnet sie diese nun zu? Will Tarot sagen, dass die Fragerin momentan besonders feurig und leidenschaftlich ist? Geht es darum, dass sie wieder mehr Engagement zeigen soll in der Beziehung? Oder soll sie sich eher etwas egoistischer verhalten? Hat der Partner gar eine leidenschaftliche Freundin? Hofkarten sind von Haus aus nicht einfach zu deuten, eingegrenzt wird die Aussage aber, wenn ich vorher festlege, was mir die Karte sagen soll.

Bei der Wahl des Legesystems sollte man nicht mit dem kompliziertesten und umfangreichsten beginnen: „Drei einfache Legesysteme mit jeweils 4 Karten bilden für mich den Basiswerkzeugkasten für eine Tarotberaterin: Das kleine Kreuz, das Liebesorakel und die Grundform des Kompasses. Mit diesen Legespielen lassen sich so gut wie alle Fragen beleuchten – man kann sich eine Handlungsanweisung holen, eine Entscheidungshilfe, einen möglichen Trendverlauf – und das in allen Lebensbereichen von der Liebe über den Beruf bis zur tiefgründigen Selbsterfahrung“.

tarotschule_abb2_3Neben dem Ziehen von nur einer Karte kann man auch drei Karten zu Rate ziehen (siehe „Legeweise des Monats“ im Maiheft von Annegret Zimmer). Die 3-er-Methode ist vor allem geeignet für Trendverläufe, aber auch für Handlungsanweisungen. Wichtig ist dabei die vorherige klare Bestimmung des Themas. Eine Beispielsfrage könnte sein: Wie entwickelt sich mein berufliches Projekt? (Tendenzlegung), oder: Was kann ich tun, damit sich mein Projekt gut entwickelt? (Handlungsanweisung). Man kann die Karten aus allen 78 Karten ziehen, oder nur aus den großen 22 Arkana, je nach Erfahrung und Vorliebe. Die Aussagen der 3 Karten können kombiniert zu einer Gesamtaussage werden oder jeder Kartenposition wird eine spezifische Bedeutung zugeschrieben.

Im Folgenden möchte ich die 3 oben genannten Legesysteme „Das kleine Kreuz“, „Liebesorakel“ und „Kompass“ vorstellen. Das „kleine Kreuz“ ist das „Universallegesystem“. Es ist je nach Fragestellung in den einzelnen Positionen wandelbar, in der Grundform legt man 4 Karten. Das Liebesorakel eignet sich gut für Beziehungsfragen, um Klarheit zu bekommen, wie der Beziehungspartner zu mir, steht und was mir Tarot rät. Es kann aber auch für jede andere Beziehung gelegt werden, also für die Beziehung zum Chef, zur Freundin, zur Therapeutin, etc.

DAS KLEINE KREUZ

1.                 Darum geht es
2.                 Das ist jetzt nicht wichtig, das soll ich nicht tun, so kommt es nicht
3.                 Das ist jetzt wichtig, das soll ich tun, so kommt es
4.                 Dahin führt es
Wichtig ist bei diesem Legespiel, den Unterschied zwischen Karte 2 und Karte 3 herauszuarbeiten! Das kleine Kreuz kann je nach Fragestellung Tendenzen, Ratschläge oder Klärung einer Situation geben.
DAS LIEBESORAKEL
1.                 Darum geht es
2.                 Die innerlich treibende Kraft (Fragerin)
3.                 Wie steht der andere Mensch zu einem?
4.                 Rat des Orakels

Der Kompass kann für Entscheidungen gelegt werden, vor allem wenn man mehr als 2 Alternativen hat (für genau 2 Möglichkeiten eignet sich auch das „Entscheidungsspiel“). In der Grundform kann der Kompass mit nur 4 Karten gelegt werden, um eine Tendenz zu bekommen für eine konkrete Idee, ein Projekt, ein Vorhaben. Interessant an diesem Legesystem ist, dass sich Alternativen oft während der Befragung auftun, und diese dann abgefragt werden können. Die Abbildung zeigt die erweiterte Form:

Alternative 1:
1 = Darum geht es
2a = So geht es los
3a = Reaktion des anderen, wie andere reagieren
4a = Darauf läuft es hinaus

Alternative 2:
1 = Darum geht es
2b = So geht es los
3b = Reaktion des anderen, wie andere reagieren
4b = Darauf läuft es hinaus

Alternative 3:
1 = Darum geht es
2c = So geht es los
3c = Reaktion des anderen, wie andere reagieren
4c = Darauf läuft es hinaus

etc. … Die Karte 1 bleibt bei allen Alternativen das zentrale Thema für die Frage!

tarotschule_abb4Für jede Frage kann auch ein eigenes System erfunden werden – hier ist Kreativität gefordert. Ein Legesystem kann an das Muster einer bestimmten Karte angelehnt werden (wie zum Beispiel das von Hajo Banzhaf kreierte „das Geheimnis der Hohepriesterin“ nach der Trumpfkarte 2 des Rider-Waite-Tarots). Es können aber auch einfach nur x Positionen definiert werden, die alle für den Frager interessanten Blickwinkel beantworten können. Wichtig ist dabei wieder die klare Definition der einzelnen Positionen, um diese mit der gezogenen Tarotkarte zu einer stimmigen Aussage zu bringen.

Ein beliebtes Legespiel für Fortgeschrittene ist das klassische keltische Kreuz, ein umfangreiches System mit 10 Karten. Legesysteme wie „das Geheimnis der Hohepriesterin“, „der astrologische Kreis“, „das Narrenspiel“, „der Weg“, „der nächste Schritt“, „das Beziehungsspiel“ und viele mehr gibt es in den Büchern von Hajo Banzhaf und anderen Tarotautoren.

ZEITRAUM

Wie in Lektion 3 angesprochen, taucht in Beratungen oft die Frage auf, wann denn ein bestimmtes Ereignis eintreffen wird. Konkrete Zeitangaben sind mit Tarot nicht möglich – ich kann jedoch schon in die Frage einen Zeitraum legen (Beispiel: Was ist in den nächsten 6 Wochen für mich wichtig?). Eine Legung gilt im Allgemeinen für einer eher kurzen Zeitraum von 3-6 Monaten. Es gibt im Tarot auch „zeitverzögernde“ Karten wie „der Gehängte“ oder die „7 der Münzen“ aus dem Rider-Waite-Tarot und ebenso gibt es auch eher „beschleunigende“ Karten wie die „8 der Stäbe“ oder „der Wagen“. Manche Legesysteme haben von vorneherein den Zeitraum schon impliziert, wenn ich zum Beispiel am Geburtstag den astrologischen Kreis für das kommende Lebensjahr lege. Die Wahl des Legesystems spielt beim Faktor Zeit auch eine Rolle – das keltische Kreuz gilt sicherlich länger als das kleine Kreuz.