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Die Teufelskarte

Harald Barth

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Hilfe! Ich habe den „Teufel“ gezogen!

Der Teufel ist so alt wie die Menschheit. Seine Geschichte beginnt im Paradies, als die Schlange (der Teufel) Eva in Versuchung führte, den Apfel vom Baum der Erkenntnis zu essen, um dadurch zu werden wie Gott, d.h. allwissend und unsterblich. Entgegen Gottes Wille aß Eva von der Frucht und reichte sie auch Adam. Dies hatte die Vertreibung der beiden aus dem Paradies zur Folge. Hier begann der Sündenfall oder Erbsünde, ein Begriff aus der christlichen Theologie. Das Böse ist also bereits bei unserer Geburt vorhanden. Der Teufel ist „Kulturgut“. Wir finden ihn in Kunst und Malerei, in Theaterstücken, in Filmen und im Märchen. Zu einem der bekanntesten zählt „Der Teufel mit den 3 Goldenen Haaren“ von den Gebrüder Grimm. In diesem Märchen ist der Teufel allerdings eher schlau und listig als bösartig, auch Seiten, die der Teufel verkörpert. Neben Dantes Göttlicher Komödie, in der Dante mit dem Seelenführer Vergil in die Hölle hinuntersteigt, zählt auch Goethes Faust zu den Meisterwerken der Literatur, in denen der Teufel als Mephisto eine tragende Rolle spielt.

Der Teufel ist so alt wie die Menschheit

Auch wenn wir nur ungern an den Teufel denken, so taucht er doch in unserem täglichen Sprachgebrauch auf.

  • Wenn wir jemanden loswerden wollen „jagen wir ihn zum Teufel“, oder wir befehlen: „Scher dich zum Teufel“,
  • wir alle kennen den „Fehlerteufel“, der sich in unsere Arbeit einschleicht,
  • wenn wir ein kleineres Übel durch ein größeres eintauschen „treiben wir den Teufel mit dem Beelzebub aus“,
  • wir fürchten „weder Tod noch Teufel“ (oder doch?),
  • wenn wir uns etwa in eine Arbeit vertiefen und nicht zurechtkommen, dann „steckt der Teufel im Detail“,
  • manchmal fürchten wir etwas „wie der Teufel das Weihwasser“,
  • bisweilen ist es unumgänglich, einen „Pakt mit dem Teufel zu schließen“,
  • wenn wir uns in einer unangenehmen Lage befinden, sind wir „in Teufels Küche“….Doch was ist es eigentlich, das uns solche Angst bereitet und uns gleichzeitig so fasziniert? Wenn wir uns die Abbildungen der Teufelskarten in den verschiedenen Tarotdecks vor Auge führen, erkennen wir wiederkehrende Motive: Mann, Frau, Fruchtbarkeit, Tier, Nacht, Feuer. Das wollen wir genauer untersuchen. Hier spüren wir auch etwas von der Ambivalenz in der Nähe des Teufels: Angst und Anziehung. Wollen die beiden wirklich entkommen? Ist es nicht auch sehr verführerisch, Verbotenes zu tun? Sich einmal so richtig auszuleben – ohne Rücksicht auf andere? Das Triebhafte, Animalische, das Leidenschaftliche und Abgründige, das (vermeintliche) Ausgeliefertsein, die Abhängigkeit, seelische Verstrickungen, Macht und Ohnmacht – all dies repräsentiert die Karte der Teufel.Bildet man die Quersumme der Zahl 15, erscheint die Zahl 6, die zur Karte „Die Liebenden“ gehört. Sie steht unter anderem für die freie Herzensentscheidung. Die Karten scheinen die 2 Seiten einer Medaille zu verkörpern: Auf der einen Karte (VI) erkennt man das Paradies mit dem Baum des Lebens und dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Ein Engel schwebt am Himmel, davor stehen Adam und Eva, nackt und unschuldig. Noch haben sie die verbotene Frucht nicht gekostet. Auf der anderen Karte (XV) sieht man Adam und Eva nach dem Sündenfall. Sie haben ihre Unschuld verloren. Aus dem Engel ist der Teufel geworden, die Engelsflügel wurden gegen Fledermausflügel getauscht. Sie verweisen ebenso wie der schwarze Hintergrund auf das Reich der Finsternis. Hier ist alles in helle Farben getaucht, die Sonne strahlt, es ist Tag, dort ist alles schwarz und grau, nur die brennende Fackel des Höllenfeuers leuchtet in der dunklen Nacht. In der Symbolik zeigen sich hier die Gegensätze von Oben und Unten, Bewusstsein und Unbewusstes, gut und böse.Der Teufel eignet sich bestens für diese Projektionen, er ist der Sündenbock für alles Schlechte und Negative. In vielen Tarotdecks wird der Teufel in Zusammenhang mit einem Ziegenbock dargestellt. Natürlich assoziiert man hier den Sündenbock, aber das ist nur die halbe Geschichte. Die Ziege verkörpert die wilden Triebe und die Sexualkraft. Die männliche Ziege, der Bock, gilt als lüstern. Im eher vulgären Sprachgebrauch kennen wir den Ausdruck „geiler Bock“, und im Aberglauben wusste man, dass der Teufel anwesend war, wenn man einen Abdruck eines Pferde- oder Bocksfußes fand. Ein sehr schönes Beispiel für eine solche Teufelsdarstellung findet sich im Dürer-Tarot: Ein wilder Teufel reitet schnaubend auf einem Ziegenbock.Aber kann man den Teufel, das Böse wirklich besiegen? Bisher scheint das niemandem gelungen zu sein. Psychologisch betrachtet ist das auch nicht möglich. Denn Gut und Böse gehören zusammen wie Tag und Nacht, das Leben und der Tod. Wir können das Böse lediglich verdrängen, die Eigenschaften an uns, die wir nicht mögen, abspalten und bildlich gesprochen nach unten verbannen. Wenn wir die Karte des Teufels ziehen, dann begegnen wir diesen verdrängten, dunklen, ungeliebten Seiten, die wir unter keinen Umständen anschauen wollten – und wir erschrecken! Wir können uns wie das Teufelspärchen mit dem Rücken zum Teufel stellen, d. h. uns nicht auseinander setzen mit unseren Verdrängungen. Dann bleiben wir gefesselt. Die Karte des Teufels ist jedoch eine Aufforderung hinabzusteigen ins Reich der Finsternis, ins Unbewusste. Wenn der Teufel in einer Legung auftaucht, ist es Zeit, uns mit allem zu konfrontieren, was wir an uns ablehnen. Dann bröckelt unser Selbstbild. Wer würde sich da nicht bedroht fühlen? Aber erst, wenn wir diese Abgründe kennen, wenn wir wissen, wer wir im Guten wie im Schlechten sind, dann verliert „Der Teufel“ seine Macht über uns. Dann brauchen wir ihn nicht mehr für unsere Projektionen. Dann können wir unsere Fesseln abstreifen. Dann erst sind wir frei und unsere Persönlichkeit ist heil und ganz. Wenn Sie das nächste Mal den Teufel ziehen – denken Sie dran!
  • Kann man das Böse besiegen?
  • Wer von uns kennt diese Spaltung nicht: Eigentlich wollen wir „reinen Herzens“, also gut sein, aber dann verlieben wir uns in den Mann der Freundin, oder wir verstricken uns in eine Dreiecksgeschichte, wir geraten in (ausweglose) Abhängigkeiten, wir betrügen die, die wir lieben, wir sind neidisch, spüren Wut und Hass. Jeder hat seine ganz eigenen Schattenseiten, die er verdrängt oder abspaltet und auf andere projiziert. Dann begegnet uns das Schlechte im Außen, der Mensch, der uns angestiftet hat, uns in Versuchung geführt hat, der, der uns nicht loslässt, der andere, der die Schuld trägt.
  • Der Teufel und die Liebenden
  • Im Rider-Waite-Deck wirkt die Teufelskarte schon durch den schwarzen Hintergrund bedrohlich. Der Teufel nimmt fast den gesamten Raum ein. Er ist halb Mann, halb Tier, trägt Hörner und das Fell eines Ziegenbocks, hat Fledermausflügel- und Klauen statt Füße. In der linken Hand hält er eine brennende Fackel, die nach unten weist, die Rechte hat er nach oben gestreckt wie zu einem Schwur. Zwischen den Hörnern prangt ein Fünfstern, das Zeichen schwarzer Magie. Vor ihm stehen 2 kleine nackte Teufel in männlicher und weiblicher Gestalt mit Hörnern und Schwänzen. Um ihre Hälse liegen Ketten, die sie an den Sockel fesseln, auf dem der Teufel thront. Doch ganz so unglücklich scheinen die beiden Teufelchen auf der Karte XV nicht zu sein. Ihre Ketten könnten sie abstreifen, wenn sie wollten, und beide symbolisieren eine Lebenskraft, die in ihren Schwanzenden zum Ausdruck kommt mit der Traube (Fruchtbarkeit) auf der einen Seite und dem lodernden Feuer (Energie) auf der anderen.
  • All diese Ausdrücke bezeichnen Negatives, aber wir kennen auch die Faszination des Bösen, etwa wenn wir anerkennend sagen: Das ist ein „Teufelskerl“, und so manches bereitet uns ein „teuflisches Vergnügen“ oder entlockt uns ein „teuflisches Grinsen“.