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Der Stern

Harald Johannes Hess

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Mit einem Stern assoziieren wir in unserem Kulturkreis meist nur Gutes: Der Stern als leuchtender Himmelskörper strahlt und täuscht durch sein Funkeln über seine wahre Entfernung hinweg. Der nächtliche Sternenhimmel vermittelt das Gefühl von Geborgenheit und Faszination gleichermaßen. Und unter dem englischen Wort für Stern – der „Star“ – verstehen wir einen Menschen, der in der Öffentlichkeit leuchtet und als Leitbild dient.
Astronomisch unterscheidet man zwischen Fixsternen und Schweifsternen (Kometen); beide haben ähnliche mythologische Bedeutungen, wobei dem Schweifstern durch sein seltenes sichtbares Auftreten oftmals mehr Gewicht beigemessen wird. Aber nicht nur mythologisch kam den Sternen früher eine besondere Bedeutung zu, sondern auch auf der praktischen Ebene, indem sie Orientierungshilfe für Raum und Zeit gaben. Anhand ihrer Positionen wurden Kalenderberechnungen erstellt und sie dienten als Navigation in der Seefahrt. So sind die Plejaden – ein offener Sternenhaufen, der auch „Siebengestirn“ genannt wird – in der Zeit von Mai bis Oktober am nördlichen Sternenhimmel zu sehen und beschrieben früher Beginn und Ende einer Schifffahrtssaison. Die 12 Sternbilder dienten auch als Basis bei der Entstehung der Astrologie – zur Zeit der Babylonier kam dem siderischen Tierkreis noch mehr Gewicht zu, der auch heute noch in der indischen Astrologie eine Rolle spielt.   Die Symbolik: Fast nicht anders verhält es sich mit der heutigen Betrachtungsweise des Sterns im Tarot: Er gilt als Richtungsweiser, ist Symbol für die weit reichende Zukunft und wird als Vision verstanden. Im legendären Kartendeck des Arthur Edward Waite – auch „Rider-Waite-Deck“ genannt – sehen wir auf der Karte Stern eine nackte, junge, blonde Frau, die aus zwei Krügen Wasser gießt. Den Inhalt des einen Kruges schüttet sie in den Fluss, den anderen Teil auf den Boden; dies ist vermutlich ein Symbol, dass auf dieser Karte alles in Bewegung und buchstäblich im Fluss ist und letztendlich wieder zu einer Quelle zurückgelangt. Über dem Kopf der jungen Frau sehen wir einen achtzackigen Stern, der von sieben weiteren Sternen umringt ist. Die Zahl Sieben stand in der Zahlenmystik schon immer für die Schöpfung und in der klassischen Astrologie arbeitete man schließlich mit sieben Planeten … Manch Tarotkundige bringen diese Karte auch mit dem Fixstern Sirius, dem hellsten Stern am Firmament, in Verbindung. Die Karte Stern wird astrologisch meist dem Tierkreiszeichen Wassermann zugeordnet. Der Wasserträger wird hier durch die junge Frau, die aus einer einzigen Quelle zu schöpfen scheint, dargestellt. Andere Tarot-Decks Auch im Tarot von Aleister Crowley erscheint der Stern als sehr schöne und hoffnungsvoll anmutende Karte. Hier ist die Göttin Nuith, die Herrin der Sterne, dargestellt. Auch sie trägt zwei Kelche, wovon sie den goldenen Kelch in der rechten Hand über ihrem Kopf hält, während die herabgesunkene Hand den Inhalt des silbernen Kelches in den Boden gießt – laut Crowley handelt es sich hier um die „unsterbliche Tinktur des Lebens“; auch hier ist also ein ewiger Kreislauf zwischen Universum und Erde angezeigt. Darüber flammt ein Stern mit sieben Strahlen. In den vielen anderen Tarotdecks ist der Stern ähnlich viel versprechend dargestellt und die Symbole gehen mit den  klassischen und weit verbreiteten Tarotdecks konform: Beispielsweise sehen wir im Scapini-Deck – einem Deck, das den Zeitgeist der Renaissance eingefangen hat und das man getrost als „Klassiker“ bezeichnen kann – ebenso eine unbekleidete Frau, die mit zwei Krügen das Wasser in den Fluss und die Erde gießt.

Und auf der Stern-Karte des Zerner Tarots – ein Tarot, welches im Original aus handgewebten Wandteppichen besteht – ist eine üppige Schönheit zu sehen,die auf dem Flussbett zu stehen scheint, während ein großer und glitzernder Stern über ihrem Kopf schwebt.

Demzufolge ist es im Hinblick auf die so sehr positiven anmutenden Karten auch kein Wunder, dass der Stern ausschließlich mit Positivem in Verbindung gebracht wird. Die Vorgängerkarte des Sterns ist der Turm – standen wir bei ihm noch vor einem Scherbenhaufen und im Chaos, kündigt nun der Stern einen Neuanfang an, der mit Inspiration und Hoffnung verknüpft ist. Er zeigt an, dass die Zukunft im Hier und Jetzt beginnt, und wir auf dem richtigen Weg sind. Bedeutung: Erscheint der Stern in einer Legung, in der nach Liebe und Beziehung gefragt wurde, besagt er, dass dieses Beziehungsthema zukunftsträchtig ist. Der Stern ist stets die Karte der Hoffnung, er zeigt an, dass wir uns im Frühstadium einer Entwicklung befinden, und nun die Weichen für einen wichtigen Zeitraum gestellt werden. Auch hier geht es dann um den Einblick in höhere Zusammenhänge, was darauf hinweist, dass die Beziehungspläne, die wir jetzt beginnen, weittragende Auswirkungen haben. Die Beziehung steht also „unter einem guten Stern“, wir dürfen Anlass zur Hoffnung haben, und oftmals erkennen wir erst rückblickend, wie wichtig dieser Zeitraum für uns persönlich war. Der Aspekt der Zukunftsträchtigkeit kann sich aber auch durch den Stern auf eine andere Art und Weise bemerkbar machen: So kann der Stern in einer Beziehungsfrage auch anzeigen, dass wir uns über die herkömmlichen Beziehungsmuster erheben möchten und unsere Liebschaft als etwas ganz Besonderes, wenn nicht sogar Kosmisches ansehen. Auf alle Fälle betrachten wir unsere Partnerschaft als etwas mit Zukunft, wenn nicht sogar als die Beziehung fürs Leben. Ähnlich verhält es sich, wenn in einer Legung nach der beruflichen Entwicklung gefragt wurde. Hier kündigt der Stern den Beginn eines aussichtsreichen Projektes oder Tätigkeit an. Er zeigt, dass unser Vorhaben Erfolg versprechend und zukunftsträchtig ist. Manchmal steht der Stern auch für eine esoterische oder psychologische Arbeit, denn es handelt sich auch hier um Tätigkeiten, die das Leben aus einer übergeordneten Perspektive betrachten.   Im Hinblick auf unsere spirituelle Entwicklung ist der Stern nicht weniger erfreulich. In diesem Falle sagt er uns, dass wir uns auf einen wichtigen und fruchtbaren Weg begeben können. Der Stern ermuntert uns hier, über den Tellerrand hinauszusehen und das Leben aus einer Vogelperspektive zu betrachten. Manchmal kann der Stern auch die Beschäftigung mit esoterischen Themen, wie z.B. der Astrologie, beschreiben. Nicht nur die Auseinandersetzungen mit Sternen und Planeten ist hier angezeigt, sondern auch die Beschäftigung mit zukunftsweisenden Themen sowie Betrachtungsweisen, die das Ganzheitliche mit einschließen. Auch zeigt er die Arbeit mit dem „höheren Selbst“ an. Die Schattenseiten Doch wie jede andere Karte aus dem Tarot beinhaltet er nicht nur Versprechungen und Chancen, sondern birgt auch Gefahren und Warnungen, denn schließlich entsteht der Schatten nur da, wo auch Licht ist. Man bedenke, dass der nächtliche Sternenhimmel offensichtlich zum Greifen nahe erscheint und mit dieser Illusion über die Tatsache von zigtausend von Lichtjahren Entfernung hinwegtäuscht! Schattenthemen des Sterns wären z.B. unrealistische Erwartungen, Blauäugigkeit und auch Narzissmus. Grundsätzlich gibt der Stern Anlass zur Hoffnung – ob seiner Bedeutung auch eine Warnung oder Einschränkung beigefügt ist, hängt von der Position, auf der die Karte erscheint, sowie vom gewählten Legesystem ab. Der Stern ist der Stoff, aus dem die Sehnsüchte sind; ob wir unseren Zielen konstruktive Energien durch positives Denken zukommen lassen und damit das Tor zu neuen Dimensionen öffnen, oder ob wir einem illusionären Leitbild folgen, lässt sich meist nicht strikt abgrenzen und obliegt auch unserer eigenen Verantwortung.