Der Kompass zeigt Ihnen den Weg ins Leben…

Der von Hajo Banzhaf entwickelte „Kompass“ gehört zum „Grundbaukasten“ der Legesysteme und ist sehr universell einsetzbar.

Der „Kompass“ ist ein relativ einfaches und doch aussagekräftiges Legesystem. In seiner Grundform mit 4 Karten kann ich es legen, wenn ich zu einem bestimmten Vorhaben eine Meinung von Tarot bekommen möchte. Denkbar wäre die Frage: „Was sagt Tarot zu meiner Idee, ins Ausland zu gehen?“ Dazu werden 4 Karten gezogen, die einen wahrscheinlichen Verlauf aufzeichnen: Karte 1 beschreibt das Thema, um das es dabei geht, Karte 2, welchen Anfang das Ganze nehmen würde, Karte 3 zeigt die Reaktion der anderen oder das Umfeld, und Karte 4 gibt Auskunft über das mögliche Ergebnis.

Falls mir nun dieses Ergebnis nicht schmeckt oder der Anfang zu schwierig erscheint, habe ich die Möglichkeit, weitere Alternativen „abzufragen“ und das Ganze entwickelt sich zu einer Entscheidungslegung, also mit anderer Zielsetzung als einer reinen Trendbefragung. Um bei unserem Beispiel zu bleiben, kann ich dann fragen: „Was sagt Tarot dazu, eine Weiterbildung zu machen?“ Aber auch, wenn das Ergebnis der Auslandsfrage „gut“ war, kann ich ins Detail gehen und weiter fragen: „Was sagt Tarot dazu, nach Spanien zu gehen“? Dazu ziehe ich weitere 3 Karten und lege sie an die Karte 1 an, denn diese Karte bleibt für alle abgefragten Alternativen immer das Thema! Die 3 neu gezogenen Karten beschreiben dann den Verlauf bei einer Entscheidung für Spanien.

In der Abbildung oben wäre dann die Antwort, wie ein Auslandsaufenthalt aussehen würde, in den Karten 1, 2a, 3a, 4a zu finden (Alternative A), die Antwort, wie es mit Spanien wäre, in den Karten 2b, 3b, 4b (Alternative B). So kann man weitere Alternativen abfragen – entweder hat man von Anfang an 4 Wege im Visier (zum Beispiel, welche Länder für einen Auslandsaufenthalt in Frage kommen), oder man entwickelt nach und nach Entscheidungsmöglichkeiten während der Legung und Deutung. Ein Tarotdeck reicht für 25 mögliche Alternativen – aber das Ganze wird natürlich äußerst inflationär und unübersichtlich, wenn man sich zu unsicher ist, was man überhaupt möchte. Vielleicht sollte man sich bei der Anzahl der Alternativen an einen echten Kompass mit 4 Himmelsrichtungen halten! Doch ich habe auch mit bis zu 6 Alternativen aussagekräftige Antworten erhalten, manchmal macht es aber die Entscheidung auch schwerer. Und auch hier gilt die Regel: Je klarer die Frage, desto klarer die Antwort, je allgemeiner die Frage, desto allgemeiner die Antwort. Wenn ich Tarot frage, ob ich ins Ausland gehen sollte, bleibt es offen, wo dieses Ausland sein könnte – und es ist ja bekanntlich nicht klein!

Die Karte 1 zeigt oft das Motiv an, das zu der Frage geführt hat oder es beschreibt auch Hoffnungen oder Ängste, die mit der Frage verbunden sind. Bei der Karte 3 weiche ich in der Deutung manchmal von der klassischen Variante ab und nehme sie als weiteren Verlauf der Angelegenheit. Das kläre ich aber vorher mit der Fragerin, oft ist es so, dass sie nicht wissen will, wie andere reagieren oder wie das Umfeld aussieht. In einer Beziehungsfrage ist diese Karte meist Ausdruck für die Reaktion des Beziehungspartners. Welche Aussage man von der Karte 3 möchte, muss in jedem Fall vor der Ziehung der Karten festgelegt werden. Manchmal ist bei diesem Legespiel die Karte 4 sehr viel versprechend, aber die Karte 2 und/oder 3 nicht so verlockend. Dann ist die Frage, ob der schwierige Weg zum schönen Ziel in Kauf genommen wird, oder nicht.

Beispiellegung

Die Fragerin ist eine 25-jährige Frau, die sich Gedanken über ihre berufliche Zukunft macht. Sie arbeitet zufrieden als Erzieherin und überlegt sich, ob sie noch ein Studium beginnen soll.

Alternative A: Frau X arbeitet in ihrem Beruf weiter: 2 der Münzen, der Tod, die Liebenden, der Magier

Die 2 der Münzen drücken die 2 konkreten Möglichkeiten aus, die Frau X ins Auge fasst, mit denen sie ohne äußeren Druck oder Zwang spielerisch „jongliert“. Frau X fühlt sich ja nicht unwohl in ihrem Job. Ferner könnte Frau X auch überlegen, ob es möglich ist, beide Wege parallel zu machen, sprich neben der Arbeit ein Studium zu beginnen, was ja zum Beispiel durch ein Fernstudium möglich ist. Beide in Frage stehenden Möglichkeiten scheinen gleichwertig und realistisch. Wenn Frau X weitermacht in ihrem Job, ist zunächst mit einer Veränderung zu rechnen (Tod). Das kann eine äußerliche Veränderung sein aber auch eine Veränderung ihrer Einstellung oder eines Teils ihrer Tätigkeit. Ferner kann es heißen dass sie – wenn sie ihren Job weiter ausüben wird – sich von der Idee endgültig verabschiedet, noch ein Studium zu machen. Zumindest steht am Anfang ein Verzicht, ein Abschiednehmen von einer Idee oder das Ende einer Phase innerhalb ihres Jobs. Die Reaktion wird durch die Liebenden gekennzeichnet. Es wird also für gut befunden, wenn sie bleibt. Als Umfeld können das die Kollegen sein oder die Kinder, mit denen sie arbeitet und die sie lieb gewonnen haben. Sie würde also durchaus Unterstützung erfahren, wenn sie bliebe. Der Magier als Ergebnis ist nicht zu verachten in beruflichen Fragen – er spricht für Durchsetzung, für Erfolg, für die „Meisterung“ einer Situation. Und ferner auch für die Selbstverwirklichung.

Auf jeden Fall ist dies ein viel versprechender Weg – auch wenn es am Anfang etwas von ihr fordert – aber der Tod steht stets für Dinge oder Einstellungen oder Menschen die nicht mehr passen. Hier hat sich etwas „totgelaufen“. Die Quintessenz dieses Weges (Quersumme aller Karten) ist der Narr – das heißt, auch wenn sie bleibt, kristallisiert sich etwas Neues für sie heraus (was der Tod ja schon andeutet und der Magier weiterführt). Möglich ist, dass es zunächst einmal chaotisch wird und dann eine neue Struktur herauskommt. Durchaus wäre hier eine neue Herausforderung zu erkennen – beispielsweise in Form von einer Leitungsposition.

Alternative B: Frau X fängt ein Studium an: 2 der Münzen, 5 der Schwerter, Ritter der Stäbe, Hohepriesterin

Der Anfang gestaltet sich ziemlich herausfordernd. Die Palette der 5 der Schwerter reicht von Demütigung, Niederlage, Überschätzung der eigenen Kräfte und Verausgabung bis zur Bloßstellung. Der Beginn bei einem Studium würde also sicherlich nicht einfach werden. Und es bleibt bewegt: Der Ritter der Stäbe verkörpert Ungeduld oder auch ganz einfach heiße Luft. Entweder findet ihre Umgebung die Idee mit dem Studium ganz toll, ist begeistert davon, oder hält es für eine überstürzte Entscheidung. Auch das Umfeld kann angesprochen sein: Mit dem Stabritter läuft nichts nach Plan, sondern es ist mit einigen Überraschungen und Abenteuern zu rechnen. Die können aber durchaus spannend und aufregend sein! Karte 2 und 3 in diesem Weg würden ihr in jedem Fall ein Stück weit „Schule des Lebens“ sein – denn das Ergebnis mit der Hohepriesterin zeigt, dass sie am Ende „weiser“ geworden ist und gelernt hat, mehr ihrer Intuition zu vertrauen.

Die Quintessenz dieses Weges ist der Eremit – er verstärkt die lehrreiche Thematik dieses Weges und fordert Frau X auf, immer nur im Einklang mit sich selber zu handeln, also gut in Kontakt mit ihren wirklichen Zielen zu agieren. Interessant finde ich die Polarität beim Ergebnis der beiden Wege: Auf Weg A liegt zum Schluss der Magier, auf Weg B die Hohepriesterin. Der Weg A führt also mehr in die Handlung, hinaus in die Welt, es ist der männliche Weg, Weg B führt mehr nach Innen, in die Reflektion, es ist der weibliche Weg.

Frau X hat sich mit den Aussagen von Tarot auf einer sehr tiefen Ebene auseinander gesetzt und ihren Arbeitsplatz behalten. Allerdings stellt sie zunehmend fest, dass sie unterfordert ist. Deshalb beginnt sie nun ca. 1 Jahr nach der Legung eine Weiterbildung in einer Abendschule.