nic

Der Herrscher

Helga Linde

Bereich: berater-finden

Bewertung:
Gratis anrufen ►

Wer diese Karte zieht, soll Dinge umsetzen und anschieben, denn jetzt hat man die Kraft dazu!

Auf seinem steinernen Thron sitzt der Herrscher aus dem Rider-Waite-Tarot inmitten einer felsigen Landschaft und schaut dem Betrachter direkt ins Gesicht. Die dem Herrscher zugehörige Zahl 4 ist DIE irdische Ordnungszahl.

Machen Sie Nägel mit Köpfen

In einer klassischen 40-Stunden-Woche hat der Arbeitstag 2×4 Stunden. Wir teilen einen Kreis in 4 Quadrate und kennen neben 4 Elementen auch 4 klassische Temperamente. Ein Vorhaben durchläuft in der Regel 4 Phasen, die auch in den Trumpfkarten 1 bis 4 sichtbar sind: Von der Idee (1 = Magier) über die Resonanz (2 = Hohepriesterin) zur Fruchtung und Reifung (3 = Herrscherin) und schlussendlich Verwirklichung (4 = Herrscher). So könnten wir noch viele Beispiele finden, die aufzeigen, wie wichtig dem Menschen diese Zahl ist. Sie hilft ihm, die Wirklichkeit übersichtlicher zu machen. Das ist auch das Anliegen des Herrschers im Tarot, er beschreibt eine strukturierende ordnende Kraft und er möchte dazu ermutigen, etwas in die Tat umzusetzen, eine Idee zu verwirklichen.

Der Herrscher: Rider-Waite-Tarot 

Der Herrscher ist eine archetypische Vaterfigur, er ist der Patriarch im Tarot. Als Person könnten wir ihn uns auch als Lehrer vorstellen, als Chef oder als eine andere Autoritätsfigur. Er gibt Stabilität, Struktur, Ordnung und Ausdauer. Er ist der andere Pol der Herrscherin der Natur (Arkana Nr. 3) – bildlich gesehen lässt diese die Natur üppig wachsen und wuchern. Der Herrscher hingegen versucht, Ordnung in den Wildwuchs zu bringen, er schneidet die Hecken, mäht die Wiesen und baut Flussdämme. Die Herrscherin ist die Hüterin der Natur, der Herrscher der Hüter der Zivilisation.

Ein Leben ohne Zivilisation und mit dem Wildwuchs der Natur ist für uns nur schwer vorstellbar! Entscheidend wäre jedoch das Gleichgewicht zwischen beiden Kräften, eine Welt, in der sich eine gesunde Zivilisation aufbauen kann, ohne die Natur zu zerstören. In unserer westlich geprägten Zivilisation überwiegt jedoch mit Sicherheit die Energie des Herrschers auf Kosten der Natürlichkeit und Lebendigkeit. Der Herrscher möchte die Natur im Griff haben, über sie herrschen. Auch die Bürokratie, die hierzulande vielen das Leben schwer macht, gehört zur Signatur des Herrschers.

Machen Sie Nägel mit Köpfen

Symbolik: Der Steinthron, auf dem der Herrscher sitzt, ist mit 4 Widderköpfen versehen, sie sind Symbol für Tatkraft, Mut und Willensstärke. Zusammen mit der Felsenlandschaft zeigt er den Bezug zur Materie und zur (manchmal rauen) Wirklichkeit. Die Krone verleiht dem Herrscher Macht und Verantwortung, ebenso die rote Farbe seines Gewandes. In der rechten Hand hält er ein ANKH, das ägyptische Henkelkreuz, Universalsymbol für das Leben. In der linken Hand befindet sich eine goldene Kugel, die sein Streben nach Ganzheit und Vollendung anzeigt. Die Karte wirkt klar und unverschnörkelt, die Symbolik ist überschaubar und mit geraden Linien gezeichnet. An den Beinen und Füßen des Herrschers ist zu erkennen, dass er unter seinem Gewand eine eiserne Rüstung trägt. Sie ist Symbol für die Struktur und den Zusammenhalt der Materie und dient außerdem dem Herrscher als Schutz. Es braucht nicht viel Phantasie, um hier auch die Schattenseite des Herrschers zu erkennen: Zu viel Struktur führt zu Überstrukturierung, Unbeweglichkeit, Erstarrung und Verhärtung, sie erstickt die Lebendigkeit und Natürlichkeit der Herrscherin.

Bedeutung: Der Herrscher erscheint dann in Tarotlegungen, wenn es in irgendeiner Form um Ordnung oder um die Verwirklichung eines Vorhabens geht. Er fordert auf, Nägel mit Köpfen zu machen und zur Tat zu schreiten. Der Herrscher ist die Kraft, die uns die guten Vorsätze umsetzen und den schon längst geplanten Frühlingsputz endlich anpacken lässt. Der Herrscher möchte, dass wir nüchtern, wirklichkeitsnah, klar und konsequent mit dem gefragten Thema umgehen. Er kann aber je nach Fragestellung auch vor Unbeweglichkeit und Stagnation warnen. Mit dem Teufel hat der Herrscher eine sehr materialistische Lebenseinstellung gemeinsam. Für „weichere“ Themen bleibt nicht viel Raum. Der Herrscher ist in seiner Schattenseite sehr dominant und dogmatisch, es gelten nur seine Gesetze, nicht die der anderen. In der Astrologie sehen wir im Herrscher eine starke Parallele zum Steinbock/Saturn-Prinzip, auch dort geht es um Realität, Verwirklichung, Klarheit und Struktur.

In Beziehungsfragen weist der Herrscher oft darauf hin, dass die Beziehung verkrustet und die Fronten verhärtet sind. Er kann eine gewisse Ernüchterung andeuten oder er kann die Dominanz eines Beziehungspartners anzeigen. Bei Unklarheiten oder Problemen wäre es sinnvoll, „Tacheles“ zu reden, die Fakten auf den Tisch zu legen, ehrlich zu sein und nichts zu beschönigen. Der Herrscher ist in Beziehungen aber auch Symbol für Verbindlichkeit und Verantwortungsbereitschaft. Er zeigt das Bedürfnis nach Absicherung und festen Ritualen. Hier kommt es – wie immer – sehr auf die genaue Fragestellung an. 

Der Herrscher/Kaiser: Crowley-Tarot 

In beruflichen Fragen fordert der Herrscher auf, Verantwortung zu übernehmen, vielleicht sogar eine Führungsaufgabe anzustreben und gewissenhaft auf ein Ziel hinzuarbeiten. Er verlangt Disziplin, Struktur, schlüssige Konzepte und eine klare Zielsetzung. Als berufliches Potenzial zeigt der Herrscher Berufe, die mit Struktur, Ordnung, Gesetzen zu tun haben. Wir könnten ihn uns vorstellen als den typischen Beamten, Polizisten, Lehrer, aber auch als den selbstständigen Handwerker, der mit Materie arbeitet. Er ist der typische Macher, deshalb auch in Führungsetagen denkbar.

Beim Crowley heißt der Trumpf Nr. 4 „ Der Kaiser“. Seine Körperhaltung deutet das alchemistische Symbol für Schwefel an, Zeichen für die feurige männliche Energie des Kaisers. Der Kaiser wirkt dynamischer als der Herrscher aus dem Rider-Waite-Deck, feuriger, weniger statisch. Auch hier finden wir Widderköpfe und es überwiegen die Rottöne. In der astrologischen Analogie bekommt der Kaiser zur Steinbock-Signatur also sozusagen einen kräftigen Schuss Widder/Mars-Kraft dazu, hier dürfte die Gefahr der Erstarrung oder Verhärtung nicht so groß sein wie bei dem Rider-Waite-Herrscher.

Im Margarete-Petersen-Tarot ist das Bild des Herrschers in starken Rottönen gehalten. Wir sehen eine Art Bilderrahmen, umgeben von chaotisch verschwimmenden Farbstrukturen und in der Mitte einen Kreis mit einem sitzenden Menschen im Zentrum, der seine rechte Hand abwehrend gegen den Betrachter streckt. Lassen wir wieder die Künstlerin selber zu Wort kommen: „Es fängt zu Hause an – die Rüstung wird durchlöchert – Erstarrung gelöst – über das Rot laufen. Geburt eines authentischen ICHs – frei vom Zwang, das eigene Fleisch zu essen. Eine Macht in uns, die unbestechlich ist. Sich selbst organisieren – aus dem scheinbaren Chaos, die Dinge sich um den Nabel, im Zentrum der Macht ordnen lassen.“ Ich finde, sie drückt damit schön aus, dass die Ordnung immer aus unserer inneren Mitte kommt und in der Außenwelt nur Symbol oder Ausdruck für das Bedürfnis nach innerer Ordnung ist.

Der Herrscher: Haindl-Tarot

Der Herrscher im Haindl-Tarot ist einfach und naturalistisch gezeichnet. Er steht nackt unter einem großen geöffnet wirkenden Baum, der ihm den Rücken zu stärken scheint. Dieser Baum ist Yggdrasil, Weltenbaum aus der nordischen Mythologie und Symbol für die große Mutter. Damit sind hier also deutlich auch weibliche Elemente der Herrscherin eingeflochten.

Über dem Kopf des Herrschers schwebt ein Kristall in Pyramidenform mit vier gleichen Seiten, Symbol für stabile Strukturen. Der Herrscher strahlt Vitalität, Kraft und Präsenz aus, diese männlichen Eigenschaften werden noch unterstrichen von dem phallischen Symbol, das er in seiner rechten Hand hält. Somit steht der Haindl-Herrscher für Vitalität, Potenz und Energie, er kann Neuanfänge im Leben des Menschen anzeigen.