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Der jüngere Mann als Partner

Julia Bierbrauer

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Was ist dran am jüngeren Mann?

Was haben Madonna, Susan Sarandon, Demi Moore und Nena gemeinsam? Nicht die Schauspiel- und Sängerqualitäten, sondern die Erotik: Sie lieben oder liebten jüngere Männer.

Im Showbiz ist es längst ein Trend: Jüngere Männer als Partner sind „in“. Altersunterschiede von mehr als einem Jahrzehnt beleben die Liebe – und die Lust. Was unter Promis gilt, kann für Normalsterbliche jedoch zum Alltagskrieg werden: Reifere Frauen mit jüngeren Partnern erleben immer noch viel Ablehnung in unserer Gesellschaft. Warum das so ist, warum dennoch immer mehr Frauen jüngere Männer lieben und welche Besonderheiten und Chancen solche ungleichen Beziehungen haben, erfahren Sie hier und jetzt.

juengeremaenner_2Alter Mann, junge Frau: Stereotypen bei der Paarbildung und woher sie kommen

Im alten China war alles noch ganz einfach: „Mai-September-Beziehungen“ galten im Kaiserreich als Ideal. Ein Mädchen im Mai ihres Lebens – sprich blutjung – und ein Mann im Lebensherbst, also jenseits der Fünfzig, wurden als Idealpaar angesehen. Eine umgekehrte Altersverteilung hätte man schlichtweg als Perversion verstanden. Heute aber in Europa und Westamerika ist die gegenteilige Mode zu beobachten: reifere Frauen, die mitten im Leben stehen, lieben Partner, die ihre Söhne sein könnten. Tendenz: steigend. Soziales Urteil: kritisch und gespalten. Was ist dran an diesen Beziehungen? Welche Perspektiven haben sie?

Wenn eine ältere Frau einen jüngeren Mann liebt, reagiert ihr Umfeld oft mit Unverständnis – oder sogar mit Häme. Die Gefühle beider Partner werden im Vorurteil der Gesellschaft oft nicht anerkannt, egoistische Motive werden unterstellt – es ist ein allgemeines Schema. Regine F., 37, aus Halle berichtet: „Guido und ich haben uns in der Firma kennen gelernt. Es hat sofort gefunkt – obwohl ich so kurz nach meiner Scheidung gar nichts mehr mit Männern anfangen wollte, und noch dazu mit einem so jungen Kerl. Meine Freundinnen tuschelten missgünstig über den Zwanzigjährigen und fragten, ob ich wohl Torschlusspanik oder einen Mutterkomplex hätte? Verstanden oder respektiert hat meine Gefühle aber keiner. Das schmerzte mich sehr.“

Gesellschaftliche Vorurteile

Diese Ablehnung ist leicht zu erklären: eine reifere Frau mit jüngerem Partner verletzt eine immer noch gängige soziale Vorstellung von der Rolle der Geschlechter. Alter bedeutet einen Zuwachs von Lebenserfahrung, Macht, Status und oft auch Geld. „Ressourcen“ sagt die Psychologie dazu. Es ist eine einfache Gleichung: wer mehr Ressourcen innerhalb einer Beziehung hat, hat mehr Einfluss und Ansehen und insofern die bessere Rolle. Traditionell kommt dem Mann der Part der „größeren Ressource“ zu, und der Frau der ressourcenärmere Part, so will es die gesellschaftliche Wahrnehmung. Ein Altersunterschied von zehn Jahren und mehr wird meist nur dann toleriert, wenn der Mann der ältere Part ist, sprich derjenige mit mehr Ressourcen. Der 55-Jährige, der seiner zwanzigjährigen Geliebten das Sprachstudium spendiert, wird als „sugar daddy“ gelobt – und trotz heimlichen Schmunzelns eher beneidet. Die attraktive Endvierzigerin, die ein zweites Leben mit dem 27-jährigen Physik-Doktoranden aufbauen will, gilt immer noch als frustriert oder seltsam.

Quellen der Liebe – Streitpunkt „Ressource“

Alter ist nicht nur eine Ziffer im Pass: Alter ist auch ein Gradmesser für soziale Ressourcen (Mittel). Als typisch männliche Ressource gelten in der westlichen Gesellschaft Lebenserfahrung, Bildung, Status und Geld. Als klassisch weibliche Ressource werden Schönheit, Sexappeal und Jugend angesehen. Allerdings gilt auch hier: zuviel Schönheit erhöht nicht den Marktwert, sondern die Trennungsgefahr aufgrund von Verlustängsten. Beziehungen mit ausgewogenen Ressourcen gelten als haltbarer. Altersunterschiede spiegeln reale Machtverhältnisse wider: wer die größeren Ressourcen hat, hat mehr Macht.

Evolution oder Selbstentfaltung?

Wie aufgeklärt sind wir wirklich? Etliche Jahrzehnte der Emanzipation haben offenbar am gesellschaftlichen (Vor)Urteil über Frauen mit jüngeren Partnern nichts geändert. Warum das so ist, liegt wahrscheinlich in unseren Genen und in unserer Lebenserfahrung verankert. Diplom-Psychologe und Paartherapeut Manfred Söder aus Düsseldorf erklärt, dass die Partnerwahl in der Regel nach zwei Kriterien stattfindet: „Wir wählen unsere Partner nach kodierten genetischen Strategien, die der Fortpflanzung dienen, und nach unseren individuellen Lebensbedürfnissen, die unserer eigenen persönlichen Geschichte entstammen.“ Hier kann es zu grossen Konflikten kommen.

Die Fortpflanzungsstrategien auf der Suche nach einem geeigneten Erbgutträger, gespeichert im ältesten Teil unseres Gehirns, haben oft wenig mit unserer multidimensionalen Lebenswirklichkeit als moderne Frau in einer sich schnell verändernden Gesellschaft zu tun. Unsere ererbten Strategien sind sehr einfach: Männer bevorzugen Frauen, die jung und gebärfähig sind, Frauen bevorzugen Männer mit Status, die einer Familie Sicherheit bieten könnten. Während unser genetisches Programm also grundsätzlich auf materielle und charakterliche „Versorgerqualitäten“ abzielt, kann unsere individuelle Lebenserfahrung aber eine ganz andere sein. So manche reife Frau, die endlich weiss, was sie will, braucht keinen potentiellen Kindsvater, sondern vielleicht einen jugendlichen Kindskopf, mit dem sie nochmals unbeschwert jung sein kann. Doch eigene Wahlfreiheit ist problematisch: gegen ein evolutionäres Programm zu verstoßen heißt oft auch, eine gängige gesellschaftliche Konvention zu verletzen. Sohn statt Vaterfigur? Schmucker Enkel statt gleichaltriger Senior? Undenkbar! Konsequenz: soziale Ausgrenzung.

Alt liebt jung? – Kriterien der Partnerwahl

Liebe ist kein Zufall. Wen wir attraktiv finden, bestimmen unsere Gene und auch unsere Erfahrungen in der Lebensgeschichte. Wichtige Kriterien zur Partnerwahl sind:

genetisch kodierte Strategien zur Fortpflanzung (Gebär- und Versorgerqualitäten)
individuelle Bedürfnisse (Erfahrungen mit Eltern, Geschwistern und früheren Beziehungspartnern)

Reife Frauen wollen mehr: Die neue Lust am jüngeren Mann

Mehr und mehr Frauen lassen sich jedoch durch die Kritik ihres Umfeldes nicht mehr beeinflussen. Der Trend zum jüngeren Partner zeichnet sich immer deutlicher ab. Konkrete Zahlen liegen uns noch nicht vor, doch die neuen Strukturen unseres Lebens begünstigen die besondere Konstellation ältere Frau-jüngerer Mann. Das Bindungsverhalten von Paaren hat sich so stark verändert, dass es immer häufiger zu Trennungen und dementsprechend auch zu neuen, oft auch anders gestalteten Partnerschaften kommt. Jüngere Männer sind tendenziell offener für Beziehungen mit erfahrenen Frauen, als reifere Männer. Auch ist das Angebot jüngerer Männer auf dem „Singlemarkt“ oft größer. Dr. Hans Geser vom soziologischen Institut in Zürich erklärt: „Es gibt immer mehr „sekundäre Singles“. Das sind Leute, die sich gerade getrennt oder geschieden haben und nicht länger allein bleiben wollen. Für Frauen ab einem bestimmten Alter ist es da oft schwer, einen gleichaltrigen Mann zu finden. Im mittleren und höheren Alter gibt es einfach zu wenig verfügbare, gleichaltrige Männer auf dem Partnermarkt.“

Der Soziologe bestätigt damit eine Alltagserfahrung: je älter Frauen werden, umso schwieriger ist es für sie, einen Partner zu finden. Gleichaltrige Männer sind oft schon liiert – oder frisch getrennt, nicht selten mit Trennungsschäden. Außerdem bevorzugen Männer im mittleren Alter oft jüngere Frauen als Partner, leben also Beziehungen, in denen ein „Ressourcengefälle“ vorliegt und der Mann über die klassischen Status-Ressourcen verfügt, während die Frau die Ressource der Jugend einbringt. So bleiben die gleichaltrigen Damen meist außen vor. Das muss jedoch nicht unbedingt ein Problem sein: Frauen, die sich bewusst für jüngere Partner entschieden haben, schwärmen von den Vorzügen dieser Beziehung.

Jugendliche Männer = bessere Lover? Reizthema Sexualität

Jüngere Männer haben oft kein Problem damit, Partner einer selbstbewussten, reiferen Frau zu sein. Im Gegenteil: viele schätzen die Vorteile dieser Konstellation. Eine emanzipierte ältere Frau mit eigenem Kopf muss nicht „versorgt“ werden – der soziale Druck auf den Mann, Versorger zu sein, Rollenklischees zu erfüllen, nimmt also ab. Ein unkonventioneller Lebensstil fern des „genetisch kodierten Programms zur Fortpflanzung“ wird oft als Bereicherung empfunden. Eine solche Beziehung kann viele kreative, spielerische Elemente enthalten und für beide Partner zu mehr persönlicher Entfaltung beitragen. Regine F. erzählt. „Die erste Zeit war traumhaft! Bei Guido fühlte ich mich einfach nur wohl. Keine Unterdrückung, keine Paschamanieren wie bei meinem Ex, sondern ein Leben auf gleicher Augenhöhe. Sein Lachen, seine Unbekümmertheit hat mir neuen Lebensmut gegeben. Aber meine Kolleginnen hörten nicht auf zu sticheln: der geht es doch nur um Sex.“

Damit sind wir beim brisantesten Aspekt dieses Themas: sind jüngere Männer bessere Liebhaber? Angelika Kallwass, die bekannte Sat1-Psychologin, gibt in einem Fernsehinterview mit einem Schmunzeln zu bedenken: „Jüngere Männer sind potenter.“ Andererseits sind Frauen ab Mitte 30 in ihrer eigenen sexuellen Höchstform. Sie kennen ihren Körper besser, wissen, was ihnen Spaß macht und erleben stärkere Orgasmen als jüngere Frauen, die oft noch viele Unsicherheiten haben. Männer hingegen sind zehn Jahre früher, mit Mitte Zwanzig, auf dem Höhepunkt ihres sexuellen Erlebens. Die konventionelle Paarung älterer Mann-jüngere Frau, die klassische „Mai-September-Beziehung“, ist also aus dem Blickwinkel der weiblichen sexuellen Bedürfnisse nicht besonders günstig. Ginge es nur um die älteste Sache der Welt, wäre mindestens eine Dekade Altersunterschied Pflicht…

Gretchenfrage Sexualität: Jüngere Liebhaber

Frauen erreichen die Hochphase ihrer sexuellen Erregbarkeit durchschnittlich mit 35 Jahren. Der Höhepunkt der männlichen Libido liegt jedoch bei Mitte Zwanzig. Aus sexueller Sicht ist eine Beziehung mit einem zehn Jahre jüngeren Mann für die Frau oft erfüllender.

Probleme bewältigen

Die Liebe zu einem jüngeren Mann bringt jedoch auch spezifische Probleme mit sich. Eine große Störquelle des Beziehungslebens ist das berufliche Umfeld. Da der Arbeitsplatz aktuellen Untersuchungen zufolge immer noch Kennenlernbörse Nummer eins ist, ergeben sich dort oft soziale Konflikte, wenn eine Liebe aus dem Rahmen fällt. Regine F. weiss ein Lied davon zu singen: „Als Ausbildungsleiterin durfte ich meine Gefühle für den Praktikanten natürlich nicht offen zeigen. Zum Glück hat er die Initiative ergriffen: bei einer Kaffeepause hat er mir gestanden, dass er sich in mich verliebt hat. Seitdem waren wir unzertrennlich. Guido hat allerdings die Abteilung gewechselt, damit wir keine Nachteile erleben.“

Diese Situation ist typisch: bei ungewöhnlichen Paaren ist die Gefahr, durch Außenstehende auseinander gebracht zu werden, größer als bei Paaren, die einer Norm entsprechen. Umso wichtiger ist es, am Arbeitsplatz für die nötige professionelle Distanz zu sorgen, ohne dadurch ein Doppelleben zu führen und den jungen Partner zu verleugnen. Diese Gratwanderung ist nicht einfach. Oft muss man sich auch ein „dickes Fell“ zulegen, wenn hinter dem Rücken über Midlife-Crisis oder Geldgier als vermeintliches Motiv der Partnerwahl gespottet wird. Manchmal ist es jedoch hilfreich, die Mobber direkt mit ihrer Einstellung zu konfrontieren.

Ganz klassisch: Familienpläne junger Männer

Jüngere Männer sind nur für eine Affäre gut? Mitnichten! Neue soziologische Untersuchungen zeigen, dass es auch den jungen Herren ernst mit einer Beziehung sein kann. In Befragungen von 2004 gaben 66% der 18-39jährigen Männer an, dass sie eine stabile Partnerschaft mit Gleichberechtigung anstreben. Für fast die Hälfte der Befragten ist dieses Ziel wichtiger als die Karriere. Weitere Probleme sind die unterschiedlichen Werthaltungen, die viele Paare mit großem Altersunterschied erleben. Die Interessen unterscheiden sich oft stark. Manche ältere Frau beklagt auch, dass ihr junger Wilder nicht die nötige Reife besitzt, um ihr in Krisen die starke Schulter zum Anlehnen zu bieten. Eine aktuelle Untersuchung macht jedoch Hoffnung: Männer zwischen 18 und 39 Jahren sind durchschnittlich lernbereiter, partnerschaftlicher und sogar bindungsorientierter als die über Vierzigjährigen.

Die Chancen auf eine harmonische und auch dauerhafte Verbindung mit einem jüngeren Mann sind also günstig. Solange frau nicht Liz Taylor oder Joan Collins nacheifert und einen allzu grossen Altersunterschied bevorzugt…