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Guter Sex mit dem falschen Sternzeichen?

Jens Maybach

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Wir glauben genau zu wissen, was wir wollen. Und wir glauben genau zu wissen, wer wir sind. Und plötzlich kommt so ein Unbekannter daher, der eigentlich gar nicht unser „Typ“ ist, wirbelt unser Leben, unsere Betten und unsere Grundsätze durcheinander und wir können am Ende nur erschöpft noch mit dem weisen Sokrates philosophieren „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Toughe Karrierefrau trifft braven Hausmann, Selbstdarsteller trifft Zen-Buddhistin, ruhiger Fisch liebt temperamentvollen feurigen Widder: unmögliche Kombinationen, die nach allen Regeln der Vernunft im Alltag nicht lange lebensfähig sind, aber tatsächlich erfrischend wirken wie Energiepillen aus der Fabrik des siebten Liebeshimmels.

Unser Liebesbarometer zeigt schnell Höchstwerte an, alle Vorsicht wird über Bord geworfen, das Leben gleicht einer Achterbahn – und die Erotik prickelt wie nie zuvor! Unsere Freunde und Kollegen hingegen sind oft bestürzt über unseren plötzlichen Gesinnungswandel: dieser Mensch passt überhaupt nicht zu uns, das kann doch gar nicht gut gehen, oder? Doch, kann es. Denn Gegensätze der Charaktere begründen zwar meist keine tragfähige stabile Partnerschaft, geben aber häufig die Initialzündung für eine leidenschaftliche Affäre. Warum, erklären wir Ihnen hier.

Die Suche nach dem passenden Pendant

guter_sex_162x199Ob sich gleich und gleich gern gesellt, oder Gegensätze sich anziehen, war lange auch in der Forschung umstritten. Psychologen der University of California in Santa Barbara gingen davon aus, dass etwas so kompliziertes wie die Partnerwahl nur nach dem Gegensatz-Prinzip funktionieren könnte: reich trifft arm, schön trifft unattraktiv, extravertiert trifft introvertiert. Diese Gegensätze sollten – so lautet die Forschungshypothese – für einen stets lebendigen und spannungsreichen Ausgleich innerhalb der Beziehung sorgen und ferner auch sicherstellen, dass persönliche Defizite durch den Partner ausgeglichen werden.

Die Ergebnisse der Studie zeigten aber eine ganz andere Realität: die Testpersonen suchten gar nicht ihren Gegensatz, sondern einen Partner, der ihnen so ähnlich wie nur möglich ist. Ein Versuchsfehler? Man wiederholte die Tests und erhielt gleiche Ergebnisse: über 1.000 Versuchspersonen zwischen 18 und 24 Jahren wählten aus Infomaterial stets diejenigen Partner, die ihnen an Aussehen, Bildung und Status möglichst gleich waren. Kein einziger wollte sich „hochheiraten“, keine einzige durchschnittlich aussehende Dame suchte einen Mann mit Filmstarqualitäten, sondern man blieb konsequent innerhalb des Rahmens der eigenen Qualitäten und wählte nur das Profil positiver Eigenschaften beim Partner, das man umgekehrt auch selbst anbieten konnte.

Schöne wählten Schöne, Akademiker nur Akademiker, Reiche Reiche – ungleiche Paarungen kamen nicht vor. Die nüchterne realistische Selbsteinschätzung, nicht so sehr die übertriebene Wunschvorstellung an den Anderen, leitete die Partnerwahl. Erstaunlich vernünftig, diese Studie, wenn man bedenkt, dass doch gerade die Liebe die Vernunft oft außer Kraft setzt. Wie ist dieses unerwartete hochkonservative Verhalten des paarungswilligen homo sapiens zu erklären? Dr. Stephen Emlen, Verhaltensforscher der Cornell University, der gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Buston aus Kalifornien diese Untersuchung durchführte, bilanziert, dass das Klischee vom reichen Prinz und der Gänsegretel, vom buckligen Quasimodo und der schönen Esmeralda ins Märchenreich gehört, kurz, dass die Partnerwahl in Wirklichkeit nicht auf dem Gegensatzprinzip basiert. Männer und Frauen scheinen tatsächlich mehr Wert auf ähnliche Qualitäten beim Partner zu legen als auf Gegensätze, Spannung und Kompensation.

Harmonie des Spiegelbildes – Spiegelbild der Harmonie

Nun sitzen Sie aber da, sind hochgradig verliebt in „Mr oder Mrs Unmöglich“ und fragen sich, ob die psychologisch korrekte Partnerwahl nach dem Gleichheitsprinzip nicht eine einzige, winzige, spritzige Ausnahmeregelung zulässt, nämlich Ihre. Und ihre Kollegen, die sich über Ihre neue Bekanntschaft mokieren, scheinen dank der Forschungsergebnisse aus Kalifornien auch noch Recht zu behalten. Diese Studie ist eine Bestätigung für alle, die es immer schon besser wussten und Ihnen den turbulenten Tausendsassa oder die mysteriöse Schöne aus dem falschen Sternzeichen – oder dem falschen Stadtteil – vehement ausreden wollen. Oder doch nicht? Schauen wir uns einmal an, weshalb gleiche Paarungen überhaupt so gut funktionieren.

„Langdauernde Beziehungen bestehen durch gemeinsame Werte, ähnliche Interessen, ähnliche familiäre Herkunft und intellektuelle Bedürfnisse“, erklärt Dr. Emlen. Diese grundlegende Erkenntnis wird auch von deutschen Wissenschaftlern geteilt: der Bamberger Soziologe Hans-Peter Blossfeld erklärt im Rahmen seiner Studien, dass sowohl Männer wie auch Frauen einen möglichst gleich qualifizierten Partner suchen.

In jüngster Vergangenheit haben populäre Filme wie „Bridget Jones“ und „Sex and the City“ gezeigt, dass man und frau nach einigen spannenden Experimenten mit dem Widersprüchlich-Exotischen zuletzt doch bei einem gleichartigen Partner anlangt. Gemeinsamkeiten sind sehr wichtig für eine Beziehung: Draufgänger und Abenteurerin, Musikliebhaber und Pianistin, Waage und Waage finden durch ihre Ähnlichkeit die lang ersehnte Ruhe und Sicherheit in ihrer Verbindung. Nicht so sehr der persönliche Wunsch, unser Ich und unsere Lebenswelt durch einen andersartigen Partner zu komplettieren, sondern die überpersönlichen und uralten Interessen der Evolution spielen hier eine Rolle.

Das hat einen ganz banalen Grund: Verbindungen, in denen sich die Partner charakterlich sehr ähnlich sind, beinhalten wenig Konfliktpotential. Weniger strittiger „Zündstoff“ wiederum garantiert längere Beziehungen, und diese sind den Langzeitzielen einer Partnerschaft – Heiraten, Kinder großziehen, gemeinsam älter werden – sehr zuträglich. Man kann also festhalten, dass die Testpersonen der kalifornischen Studie sich konsequent an die Gesetze der Evolution hielten und durch ihr systematisches Abgleichen von Eigenschaften den „besten Paarungspartner für Nachkommenaufzucht“ suchten. Unter dieser Bedingung gilt ja unbedingt das Gleichheitsprinzip. Und das ist der Knackpunkt: Was für feste Beziehungen förderlich ist, ist es nicht unbedingt für Affären mit dem Extra-Kick Erotik.

Warum Harmonie nicht sexy ist

Harmoniegaranten sind oft Lustkiller. Erinnern Sie sich an das physikalische Grundgesetz: Reibung erzeugt Hitze – allzu große Harmonie ist der Erotik abträglich. Wir wissen alle, dass ein gelegentlicher Streit die Beziehung stimulieren kann. Denn Streit schafft Distanz, und Distanz ist die Voraussetzung für Erotik. In stabilen Langzeitbeziehungen wir die Erotik oft „totgekuschelt“: unsere Kenntnis des Partners und seiner Reaktionen und unsere Rücksicht auf seine Bedürfnisse vermeiden oft auch fruchtbare Auseinandersetzungen im Keim.

Dies kann zu Langeweile, Sprachlosigkeit und sexueller Flaute führen. Wenn der eine stets für den anderen mitdenkt oder die Frau immer den Satz des Mannes beendet, ist das nicht unbedingt ein Hinweis auf eine erstklassige Beziehungsqualität. Im Gegenteil: paradoxerweise kann eine solche Harmonie bei beiden Partnern das Gefühl entstehen lassen, man habe sich auseinander gelebt. Nicht zu wenig, sondern auch zu viel Nähe kann die Partnerschaft gefährden. Trotz äußerlichen Gleichklangs kann es unter der Oberfläche ganz schön brodeln – und wir können uns dann Knall auf Fall in Menschen verlieben, die so gar nichts mit uns gemeinsam haben.

Ein Grund für unsere plötzliche Vorliebe für den ungleichen, andersartigen Partner ist unser Wunsch nach Freiheit und Freiraum. Psychologen sprechen hier vom Autonomiebedürfnis. Ähnliche Partner neigen dazu, sich gegenseitig stark einzuengen. Sind die Partner aber sehr unähnlich, besteht wenig Gefahr, dass der eine den Lebensraum des Anderen dominant für sich beansprucht – beide haben dann sozusagen ihr eigenes Revier. Nicht schlecht, meinen Paarberater. Denn nicht nur die gemeinsame Basis, sondern auch der Rückzug in die eigene Privatsphäre ist immens wichtig für eine funktionierende Beziehung.

Zudem ermöglicht die Chance, zeitweise auf Distanz zu gehen, und zündet auch die Erotik als den wohl schönsten Brückenschlag zwischen zwei Menschen: nur dort kann es richtig knistern, wo Spannung, Unerwartetes, Risiko und auch Ablehnung möglich ist. Eine fundamentale Verschiedenheit der Partner erleichtert auch das Ausleben von erotischen Fantasien. Man fühlt sich mit seinem charakterlich unberechenbaren Paradiesvogel ohnehin im exotischen Wunderland, warum dann nicht seine geheimsten Wünsche aussprechen? Fremdheit zwischen Partnern erleichtert es manchmal, sich sexuell auszuprobieren und in neue Rollen zu schlüpfen, die man mit dem psychologischen Abziehbild seiner selbst nicht üben würde.

Zuletzt haben auch Philosophen die „Liebe unter Ungleichen“ gerne gerechtfertigt – natürlich aus Erkenntnisgründen. Wer sich in jemanden verliebt, der eine ganz andere charakterliche Struktur und einen anderen sozialen Hintergrund hat als er selbst, kann daraus lernen und seine eigene Selbsterkenntnis vertiefen. Das wiederum erklärt, weshalb unsere Lebenserfahrung von Beziehungen zwischen ungleichen Kulturen, unähnlichen Berufsbildern und disharmonischen Sternzeichen ungeheuer stark profitiert, während das Erkenntnispotential bei gleichen Paarungen von Fachverkäufer und Fachverkäuferin, Dortmunder und Dortmunderin, Stier und Stierin doch eher gering ist.

Oder lernen Sie viel von Ihrem Spiegelbild? Je fremdartiger der Partner einem scheint, umso mehr Entdeckungen kann man machen. Sie sehen, ihr unpassendes Pendant hat durchaus Chancen. Es gibt viele gute Gründe, Ungleichheit als erotische Herausforderung zu erleben:

  • mehr persönliche Autonomie
  • mehr Überraschung und Spannung
  • mehr Distanz als Wegbereiter für Erotik
  • mehr Erkenntnispotential

Astrologische Opponenten

Ihr astrologischer Gegenpart

Steinbock – Krebs
Wassermann – Löwe
Fische – Jungfrau
Widder – Waage
Stier – Skorpion
Zwillinge – Schütze

In der Astrologie kennen wir sowohl harmonische als auch disharmonische Kombinationen. Als harmonisch gelten grundsätzlich Paarungen innerhalb derselben Elementgruppe, das heißt, innerhalb der Feuer-, Wasser-, Luft- und Erdzeichen. Der solide Steinbock harmoniert also hervorragend mit seinem seelenverwandten Erdzeichen Jungfrau, der Feuerkopf Widder trifft es gut mit der nicht weniger hitzigen Schützin, das tiefsinnige Wasserzeichen Skorpion kann das psychologisch ähnliche Wasser-Wesen Krebs buchstäblich leidenschaftlich an sich fesseln.

Als besonders disharmonisch gelten hingegen Gegensätze der Elementgruppen: Feuer trifft Wasser, Erde trifft Luft. Solche Verbindungen, glauben viele Astrologen, können nicht auf Dauer funktionieren, weil die Grundbedürfnisse der Partner, bedingt durch ihre gegensätzliche Seelenstruktur, unvereinbar sind. Auch der so genannte astrologische Opponent – das ist das Zeichen, das Ihrem Geburtszeichen im Tierkreis genau gegenüberliegt – gilt traditionell als untauglich für eine Langzeitbeziehung.

Doch raffiniert, wie Sie sind, können Sie sich aus diesen Astro-Grundsätzen auch eine Leitlinie zum unkonventionellen Flirt und zur sexuellen Ausnahmebegegnung ableiten! Wir haben gerade gesehen: Ähnlichkeit garantiert zwar womöglich Dauer, aber keinen Sexappeal, und dieselben Eigenschaften, die für Langzeitbeziehungen fit machen, können in erotischer Hinsicht eher enttäuschend wirken. Unvereinbarkeit, Distanz und Ungreifbarkeit des Gegenübers, wie sie bei Gegensatzpaaren vorherrschen, sind langfristig schädlich und kurzfristig ein hochkonzentriertes Aphrodisiakum für die Seele.

Der „absolut unmögliche“ mystische Fisch kann die nüchterne Jungfrau in den höchsten Liebeshimmel heben – solange sie keinen Anspruch auf Beständigkeit erhebt. Der temperamentvolle Schütze ist für den geistreichen Zwilling wahrscheinlich nur eine Affäre – aber was für eine! So behalten Sie am Ende doch Recht mit Ihrem logisch und astrologisch unpassenden „Lustikus“, und Ihre besserwisserischen Kollegen schmunzeln. Wer würde sich schließlich nicht gern einmal auf eine solche Entdeckungsreise begeben?