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Der gebrauchte Mann

Barbara Foerster

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Wie Sie optimal mit männlichen Altlasten umgehen…

Mann aus zweiter Hand abzugeben

Die Wahrheit ist unromantisch. Immer mehr Ehen werden nicht durch den Tod, sondern durch den Richter geschieden – 220.000 Trennungen zählte das deutsche Statistische Bundesamt im Jahr 2005. Der so genannte Lebensabschnittsgefährte, der häufig nicht mehr an die lebenslange Liebe glaubt und eventuell auch noch Kinder in die neue Beziehung mitbringt, wird allmählich zum Normalfall. Frauen, die selbst Sprösslinge zu versorgen haben, stürzen plötzlich in eine Patchwork-Familie und jene Damen, die noch ledig sind, müssen sich von der romantischen Vorstellung einer unbeschwerten Beziehung verabschieden. Anstelle einer langsamen Entwicklung der Liebe und des Kinderwunsches, müssen sie sich auf einmal um die Kinder ihres Partners kümmern und die neue Liebe teilen. Diskussionen um Unterhaltszahlungen und Besuchsregelungen stehen auf der Tagesordnung.
Doch selbst ohne Nachwuchs im Gepäck, stellt das Leben mit einem „gebrauchten Prinzen“ hohe Anforderungen an das Leben, die den Generationen vor uns vollkommen fremd waren: Gekränkter Stolz oder Angst vor einer weiteren Liebes-Enttäuschung sind nur zwei Aspekte, auf die seine „Neue“ gefasst sein sollte.
„Gebraucht“ aber glücklich?!

Der geschiedene Mann

Kaum zurück auf dem Heiratsmarkt macht sich dieser Typ der Gruppe „Secondhand-Männer“ auf die Suche nach einer neuen Partnerin. Dafür braucht er laut einer Studie etwa ein Jahr. „Solange dauert die Trauerarbeit“, weiß Parship-Psychologin Caroline Erb. Großer Haken: Die Scheidung gab ihm zwar die Freiheit zurück, bürdete ihm zugleich aber viele Pflichten auf, vor allem den Unterhalt für die Ex-Gattin, die gemeinsamen Kinder und sich selbst. Er muss in den meisten Fällen für die entzweite Familie aufkommen, weil Männer in der Regel mehr verdienen und Frauen die Babypause einlegen. Doch damit nicht genug: Abgesehen von den finanziellen Lasten, stürzen viele geschiedene Männer in Einsamkeit, denn sie haben den Frauen das Pflegen der sozialen Kontakte überlassen.

Des Weiteren kratzt die Scheidung am Selbstwertgefühl und erweckt – oft unbewusst – den Verdacht, nicht liebenswürdig zu sein. Und wer sich selbst nicht liebt, kann auch keinen anderen lieben. Darüber hinaus finden viele erst nach langer Zeit wieder Vertrauen zu einer Frau, vor allem wenn der Trennung eine schmutzige Scheidungsschlacht vorausgegangen ist. Es schleicht sich die Angst ein, denselben „Fehler“ noch einmal zu machen. Somit versucht der Prinz auf Biegen und Brechen Harmonie zu erzeugen, um einerseits einer erneuten Trennung vorzubeugen und andererseits die Ex-Frau und die Kinder zufrieden zu stellen. In vielen Fällen endet ein solches Verhalten trotzdem mit einer bitteren Enttäuschung. Denn alle Beteiligten kann der geschiedene Mann niemals komplett zufrieden stellen.
„Die Neue muss sich auf eine ganze Reihe von zusätzlichen Reibungspunkten einstellen“, erklärt Expertin Caroline Erb. Die häufigsten Streitthemen sind Kinder, aufgehängte Hochzeitsfotos von dem einst glücklichen Paar bei den Schwiegereltern sowie das liebe, böse Geld. Einer Studie der Frauenzeitschrift „freundin“ zufolge geben zwar 88 Prozent der Frauen zwischen 18 und 60 Jahren an, dass sie die Vorgeschichte eines geschiedenen Mannes nicht störe, allerdings zieht jede zweite Frau Konsequenzen, wenn es um Bares geht: Ist der Partner durch die Scheidung finanziell stark in Mitleidenschaft gezogen, kommt für sie eine dauerhafte Beziehung nicht mehr in Frage.

Der getrennte Mann

Wer getrennt lebt, hat sich entweder noch nicht zur Scheidung durchgerungen oder wartet auf einen Termin beim Familiengericht. Somit sind diese „gebrauchte Prinzen“ nicht so frei in ihren Entscheidungen, wie bereits Geschiedene. Es ist für die neue Partnerin nicht durchschaubar, ob er die Ehe aufrecht erhalten will oder eine Trennung forciert. Für ihn ist das eine Art Ruhekissen, für sie aber ein Nagelbrett. In so einem Schwebezustand ist eine neue Familiengründung unmöglich. „Außerdem kann es sein, dass der neue Partner zu einem Übergangmodell mutiert“, warnt Erb.

Die vermeintlich gebrochene Beziehung wird laut der Psychologin immer ein großes Thema sein, solange der Mann in diesem Lebensumstand verharrt. Die Neue sollte das, wenn sie sich eine ernsthafte Partnerschaft wünscht, akzeptieren. Gut möglich ist, dass sie in die Rolle des Seelentrösters rutscht – da sollte man sofort einen Riegel vorschieben. Klar ist, dass die Partnerin durch die unklare Lage verletzt ist, viele drängen dann auf eine Entscheidung á la „Sie oder ich“.

Doch Vorsicht: Am Beginn einer Beziehung kann das den Mann einschüchtern und in die Flucht schlagen. Denn ihm reicht schon die Verantwortung für die erste Familie; für ihn ist es bequem verheiratet zu sein und dennoch – oft sogar offiziell – Liebschaften haben zu dürfen. „Nach etwa einem Jahr sollte sich der Prinz aber entscheiden“, meint Erb. Drückt er sich auch dann noch, kann man entweder weiter die Dritte im Bunde bleiben, oder sofort, so rät die Expertin, einen Schlussstrich ziehen – diesem Typ Mann fehle einfach der Mut oder der Wille, sich von seiner Familie zu trennen und das kann sich noch jahrelang, im schlimmsten Fall ewig so hinziehen.
Ein gebrauchter Prinz hat’s schwer…

Der verwitwete Mann

Neben den Gefühlen der Trauer, Leere und Einsamkeit muss dieser Prinz auch noch die gesamte Verantwortung für die Familie übernehmen. Die Kinder brauchen Zuwendung – doch dafür hat er oft keine Kraft und keine Zeit, immerhin muss er weiterarbeiten, um sie ernähren zu können. Verliebt sich ein verwitweter Mann wieder, so muss sich die Neue auf Sticheleien aus dem Umfeld einstellen. Viele gestehen ihm das Recht auf eine Beziehung zu einer anderen Frau (noch) nicht zu. Die verstorbene Frau wird immer präsent sein, die gemeinsamen Kinder reagieren auf die neue Partnerin oft abstoßend. Diese muss somit viel Fingerspitzengefühl und Verständnis aufbringen, um mit so einem Mann glücklich werden zu können.

Sie muss es zulassen, dass ihr Liebster und dessen Kinder immer einen Platz im Herzen für eine andere reserviert halten. „Auf keinen Fall eine Konkurrenzsituation schaffen“, mahnt Caroline Erb. „Man muss sich selbst und der Familie Zeit geben, sich an die neue Situation zu gewöhnen.“ Ratsam ist es, der Familie das Angebot zu machen, für sie da zu sein, sich aber unter keinen Umständen aufzudrängen! Darüber hinaus muss mit dem Prinzen die Rollenverteilung genau geklärt und Schritt für Schritt nach Gemeinsamkeiten gesucht werden. Er hingegen sollte die neue Partnerin nicht idealisieren und mit der verstorbenen Gattin vergleichen. Wünscht er, dass seine aktuelle Liebe in ihre Fußstapfen tritt und alle ihre Gewohnheiten und Aufgaben übernimmt, rät Erb den betroffenen Frauen, sich sofort zu wehren und klar anzusprechen, dass sie nicht „die neue, alte Mama“ sein werden. Immerhin haben sie eine eigene Persönlichkeit, auf die der Prinz eingehen sollte.

Der verheiratete Mann

Dieses Gebraucht-Modell ist keinesfalls zu empfehlen. Als Prinzessin eines solchen Mannes ist man immer die Dritte im Bunde und jene, die in die Ehe eingebrochen ist. In vielen Fällen beginnt die Beziehung zueinander als Affäre, die unbedingt geheim gehalten werden muss. Er ist vielleicht ein guter Liebhaber und die Angst vor der Entdeckung sorgt für Prickeln, aber so ein Typ ist kein guter Partner oder Ehemann. Trennt er sich von seiner Gattin, findet sich die Neue in einer Schlangengrube wieder: Sie muss viele Anfeindungen aus dem gesamten Umfeld verkraften, denn seiner Ex gilt das gesamte Mitleid. Der Mann hingegen wird als Halunke hingestellt, der als Strafe für seine Untreue möglichst viel Unterhalt zahlen soll.

Somit sind Familie und Freunde von vorne herein gegen die neue Partnerin, denn diese habe ihn ja verführt und die ach so glückliche Ehe zerstört. Einzige Lösung: Das frisch verliebte Paar muss sich einen neuen Freundeskreis aufbauen. Die Familie hingegen kann man nicht austauschen, dort wird die Neue sehr lange Zeit Außenseiterin sein, die zwar zähneknirschend zu Festen eingeladen, jedoch von allen gemieden wird. Ist sie jünger und attraktiver als die Exfrau, so ist die Ablehnung umso größer. „Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg“, ist sich Erb sicher. Hält die Prinzessin an der Beziehung fest, muss sie durch diese Hölle gehen, ohne mit Sicherheit zu wissen, ob sie je akzeptiert wird.

Der beziehungsunfähige Mann

Sie fliegen wie eine Biene von Blume zu Blume und sind bekannt dafür, bereits durch viele Hände und Betten gehüpft zu sein. Eine unwiderstehliche Aura zeichnet diese Prinzen aus, doch geht es um Pflichten, sind sie die absoluten Versager. Dieser Mann will sich einfach nicht binden. Möglicherweise steckt er noch in einer Beziehung oder hat eine Erfahrung gemacht, die ihn verschreckt hat.

„Der Auslöser liegt meist in der Kindheit“, präzisiert Erb, „wurden da schlimme Erfahrungen gemacht oder der natürliche Abnabelungsprozess von den Eltern gestört, wirkt sich das auf das Liebesleben im Erwachsenenalter aus.“ Weil dieser Typ Mann irgendwann gelernt hat, dass Gefühle ohnehin nur eine flüchtige Angelegenheit sind, genießt er nun die Freuden der Abwechslung. Weil er aber meist nicht verrät, dass er sich nicht binden will, muss er erst entlarvt werden. Indizien dafür sind zum Beispiel, dass er bei gemeinsamen Plänen wie Zusammenziehen oder Urlaub ständig ausweicht und alles in der Schwebe lassen will á la „Mal sehen“. „Diese Nuss ist hart zu knacken, besonders, weil ab einem gewissen Alter bestimmte Muster einfach nicht mehr zu ändern sind“, weiß Caroline Erb. Wer also eine ernsthafte Beziehung wünscht, sollte lieber die Finger von diesem gebrauchten Prinzen lassen!

Streitthema Kinder

Die Sprösslinge – egal ob von ihm oder von ihr – zwicken einen großen Teil der gemeinsamen Freizeit ab. Tipp der Expertin: Bewusst auf Zweisamkeit achten, fixe Zeitpunkte für die Beziehung reservieren und unbedingt mindestens ein Mal pro Jahr ohne die Kinder in den Urlaub fahren. Besteht übrigens bei der neuen Partnerin ein Kinderwunsch, sollte man diesen so rasch wie möglich besprechen. Wehrt sich der Prinz absolut dagegen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung irgendwann scheitern wird, enorm groß.

Eine Stiefmutter hat aber auch mit Folgendem zu kämpfen: Sie ist mit seinen Kindern biologisch nicht verwandt und empfindet, zunächst einmal, auch keine mütterlichen Gefühle. Der Nachwuchs hingegen sieht sie als Eindringling, als Störenfried, der verhindert, dass die leiblichen Eltern wieder zusammenkommen. „Die Neue sollte sich durch Zurückweisung der Sprösslinge nicht kränken lassen“, rät Erb. „Sie muss die Rolle des Sündenbocks ertragen und sich vorerst zurückhalten in der neuen Familie, wenn sie die Beziehung zu ihrem Partner ernst nimmt.“ In der Regel leben die Kinder bei der Exfrau, somit sind diese Mitglieder von zwei Haushalten, wo jeweils andere Regeln gelten. Viele Stiefmütter klagen über die Frechheiten, die sich die Kleinen erlauben, wissen aber nicht, wie weit sie in Erziehungsfragen gehen dürfen. „Die Rollenverteilung muss mit dem Partner genau besprochen werden“, so die Expertin, „des Weiteren muss er seine Freundin oder neue Frau immer unterstützen, wenn es um Regeln geht.“

Sobald er sich vor den Augen der Sprösslinge gegen ihre Meinung ausspricht, nehmen Kinder sie oft nicht mehr ernst und es dauert lange, bis sich die Neue wieder den nötigen Respekt erarbeitet hat. Darüber hinaus rät Erb, Familienregeln aufzustellen. Wünscht der Partner, dass die Kinder in den gemeinsamen Haushalt einziehen, muss er zuvor unbedingt mit der Lebensgefährtin reden und Verständnis zeigen, wenn sie das nicht möchte. Sollte er die Situation erzwingen, hat die Neue nur zwei Möglichkeiten: „Über den eigenen Schatten zu springen oder sich zu trennen“, weiß Erb. Traurig: Keiner der beiden Wege macht sie wieder glücklich. Sollte die Beziehung anhalten, wird sie nie mehr ein solches Leben mit dem Partner leben können, wie sie es sich vorgestellt hat. Ziehen die Kinder tatsächlich ein, sollte laut der Expertin unbedingt ein „Erwachsenenbereich“ und ein „Kinderbereich“ geschaffen werden, in den man nur nach Anklopfen eintreten darf. Die Neue hat oft keine Chance, eine unbefangene Beziehung zu den Kindern des Partners aufzubauen. Vieles wird von der Mutter und den Großeltern bestimmt. Da die Sprösslinge ihren Lebensmittelpunkt im Haushalt der Mutter haben, werden hier die Weichen für die Beziehung zur Stiefmutter gestellt.

Viele Exfrauen reagieren eifersüchtig, wenn sich die neue Partnerin den Kindern nähert. Es reicht, dass sie ihren Mann an sie verloren haben, die Kinder werden sie nicht auch noch hergeben. Erzählen diese vom Wochenende bei Papa, wird genau hingehört, welche Rolle die Stiefmutter gespielt hat. Doch egal ob diese fürsorglich war, oder den Kleinen die Leviten gelesen hat – beides ist den Ex-Gattinnen nicht recht. Je nachdem wie sie dann darauf reagieren, relativiert sich auch das Verhältnis der Kinder zur neuen Liebschaft ihres Vaters. Spüren die Kinder Eifersucht und Kummer der Mutter, ziehen sie sich vor der Stiefmutter eher zurück.

Gibt man ihnen das Gefühl, die Neue habe gar kein Recht, sie zu erziehen, werden sie sich beim nächsten Besuch komplett daneben benehmen – all das belastet die neue Beziehung. Lösung: Der Vater muss sich stets schützend vor seine Partnerin stellen und den Kindern klarmachen, dass sie diese – und auch deren Regeln – zu akzeptieren haben. Die Neue liebt zwar den Prinzen, seine Kinder aber nicht zwingend. Sie muss ihre Liebe mit ihnen teilen, Zeit opfern und möglicherweise sogar das Wochenende ohne ihren Mann verbringen. Lebt sie mit diesem bereits unter einem Dach, ist sie dafür zuständig, dass es den Kindern während des Besuchs gut geht. Während er mit ihnen spielt, bezieht sie die Betten, kauft das Lieblingsessen ein und stapelt Apfelsaft im Kühlschrank. Hat die Stiefmutter selbst keine Kinder, muss sie sich erst langsam an diese Rolle herantasten. Und dabei wird hin und wieder die Frage auftauchen, ob sie sich das Leben mit diesem Mann tatsächlich so vorgestellt hat. Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, bei einigen der Besuche zu „flüchten“.

Sind die Kinder jedes zweite Wochenende da, reicht es laut Erb völlig, dass die Stiefmutter nur an einem mit dabei ist – und das auch nicht rund um die Uhr. Der Vorteil: Einmal pro Monat haben die Sprösslinge ihren Papa alleine für sich und die Neue kann auch einmal Zeit für sich haben, ihren Hobbys nachgehen oder Freunde treffen. Als Stiefmutter gibt es keine gemeinsame Geschichte mit den Kindern. Keine Erinnerungsfotos von Geburtstagen, die man in Alben geklebt hat. Eine Zweitfamilie kann sich somit nicht sofort entwickeln. Man muss sich und allen Beteiligten Zeit geben, dass Dinge sich einpendeln.

Der Job als Stiefmutter ist anspruchsvoll und bringt meist nur wenige Erfolgserlebnisse mit sich. Vor allem Frauen, die selbst keine Kinder und sich bislang auf die Karriere konzentriert haben, fühlen sich im Umgang mit der neuen Familie schnell überfordert. Selbstschutz gehört daher zu den wichtigsten Übungen. Stiefmütter, und solche, die es werden wollen, ist es empfohlen, ihre eigenen Interessen und Rückzugsmöglichkeiten intensiv zu pflegen.

Freunde, Hobbys und der Beruf sind Lebensbereiche, die von der Familie des gebrauchten Prinzen unabhängig sind und der Stiefmutter somit ihre Eigenständigkeit zurückgeben. Jede von ihnen braucht diese kleinen Fluchten, die nur ihr gehören und wo sie, unbelastet von den Umständen, endlich wieder eines sein kann: ausschließlich sie selbst…