nic

Träume deuten – das können Sie auch!

Ruediger Lembcke

Bereich: berater-finden

Bewertung:
Gratis anrufen ►

Traumdeutungsschule, Teil 2

Der folgende Traum stammt von Peter M., einem 50jährigen Mann, der gerade eine private Insolvenz erlebt hatte. Er war selbständig und hatte durch Fremdverschulden alles, was er besaß, verloren. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte Peter ein Luxusleben geführt mit Haus, 2 teuren Autos, Reisen, es fehlte ihm an nichts. Doch plötzlich kam es zu einer dramatischen Wende in seinem Leben, er verlor seine Freundin durch Krebs und kurz darauf seinen ganzen Besitz und damit auch seinen Status. Er kam mit Selbstmordgedanken in die Astrologie- und Traumberatung.

Peters Traum:

Ich schaue aus dem geöffneten Fenster meines Hauses und blicke auf eine Schneelandschaft.

Alles ist trist und weiß. Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich Krebs habe, und mein Haus verlassen muss. Im Bewusstsein sterben zu müssen, gehe ich hinaus und stapfe durch die Landschaft. Ich fühle mich sehr einsam und ohne Hoffnung. Ich sehe überall nur den weißen Schnee. Gehe endlos weiter. Nach etwa zehn Minuten bemerke ich plötzlich eine Vertiefung im Schnee. Da zeichnet sich eine Rundung ab. Ich wische den Schnee weg und ein Straßendeckel wird sichtbar. Ich hebe ihn hoch. Darunter ist alles finster, es scheint, als schaue ich in ein tiefes schwarzes Loch. Ich sehe gar nichts. Gerade als ich den Deckel wieder schließen will, entdecke ich zu meiner allergrößten Verwunderung Pflanzen, die dort unten stehen. Meine Augen haben sich etwas an die Dunkelheit gewöhnt und es zeichnen sich immer mehr grüne Pflanzen ab, mit roten Knospen. Sie sehen aus wie Tulpen. Wie können diese Blumen in der Finsternis wachsen? Ich schließe den Deckel und gehe weiter durch den Schnee. Allmählich bemerke ich, dass auch aus dem Schnee rote Tulpenknospen herausschauen. Rechts und links, überall. Wie ist das möglich?

Wenden wir uns nun ganz systematisch den einzelnen Schritten der Deutung zu:

traumschule_21: Das Aufwachgefühl
Peters Aufwachgefühl war positive Verwunderung. Im Traum selbst war er traurig, ohne Hoffnung, deshalb staunte er über seine guten Gefühle beim Erwachen.

2: Der Tagesrest
Peter sagte, dass er nun wieder „zu Fuß“ unterwegs sei. Seine Autos hatte er in der Woche des Traums verkauft. Dabei entstand in ihm das Bild, als Wanderer mit nichts als einem Rucksack durchs Leben zu gehen.

3: Die Lebensumstände – die momentane Situation
Die Insolvenz beherrschte zum Zeitpunkt des Traums sein Leben. Peter musste alles loslassen, nichts gehörte ihm mehr. Der Tod seiner Freundin machte ihm zu schaffen, aber auch die eigene Existenz war akut gefährdet.

4: Das Ich im Traum
Der Träumer ist Mittelpunkt des Traums, Teil der Handlung und nicht etwa Beobachter.

5: Gefühle im Traum
Einsamkeit, Trauer, tiefe Hoffnungslosigkeit, Verwunderung

6: Die Symbole des Traums:
Haus, Krebs, Schneelandschaft, Deckel, schwarzes Loch, grüne Pflanzen mit roten Knospen wie Tulpen, die Zahl 10, die Farben weiß, schwarz, grün, rot.

7: Sprache des Traums
Peter hat den Traum aufgeschrieben und erzählt (das Erzählen des Traumes ist sehr wichtig, weil dabei immer auch Emotionen sichtbar werden). Peter erzählte den Traum ohne Brüche, er sprach langsam und leise, versprach sich nicht, es gab keine speziellen Redewendungen, keine sprechenden Worte. Einzig der Ausdruck „tiefes schwarzes Loch“ könnte übertragen gesehen werden: Man sagt: „ich fiel in ein tiefes schwarzes Loch“, also in eine Depression.

8: Abweichungen anschauen
Blumen, die in der Dunkelheit und im Winter blühen

9: Alte Muster erkennen
Dem Träumer fielen die Farben schwarz und weiß auf, seine Lieblingsfarben. Und er erinnerte sich, dass er schon einmal eine Insolvenz erlebt hatte, die jedoch nicht so schwerwiegend war.

10: Lösungen anschauen, was will der Traum sagen?
Der Traum spiegelte die aktuelle Lebenskrise sehr genau, versprach aber auch einen positiven Ausgang.

Wichtige Hinweise, bevor es losgeht mit der Deutung:

Essentiell bei der Traumdeutung ist, am Traumgeschehen zu bleiben. Wir neigen häufig dazu, die Dinge gleich intellektuell umzusetzen, zu erklären. Z.B. wissen wir, dass Blumen unter dem Schnee bereits wachsen und hervorschauen können. Aber das wiederum widerspricht hier der Verwunderung des Träumers. Für ihn ist das im Traum ganz unmöglich.

Möchte man einen eigenen Traum deuten, empfiehlt es sich, ihn einem Gegenüber zu erzählen. Man bekommt dadurch etwas Abstand und kann sich mit dem anderen austauschen, z.B. Fragen stellen oder aber Anregungen erhalten. Selbst verfällt man sehr leicht dem „blinden Fleck“, d.h., das, was einen persönlich betrifft, kann man leicht übersehen, weil es einem einfach zu vertraut ist oder es sich um ein Schattenthema handelt.

Es gibt viele Möglichkeiten des Einstiegs in die Deutung. Man kann mit einem markanten Symbol beginnen, mit den Farben, die hier sehr bedeutsam sind, oder man deutet chronologisch von Anfang bis Ende. Diese Methode empfiehlt sich für den Anfänger.
Meist ist der Traum ja in Teilen aufgebaut, er hat sozusagen einen Spannungsbogen. Es geht mit einem Einstieg los, dann kommt die Haupthandlung (das Drama) und dann das langsame Ende, das am Ende meist eine Lösung bereithält, wenn man nicht – wie bei Alpträumen möglich – vorzeitig erwacht bzw. hochschreckt.

Die Rolle des Träumers und des Traumdeuters

Anhand der gesammelten Informationen gilt es, die Botschaft des Traumes zu entschlüsseln und damit wichtige Hinweise für die aktuelle und zukünftige Lebenssituation zu gewinnen. Wichtigste Person hierbei ist der Träumer. Denn nur er allein kann wissen, was genau mit all den gesammelten Informationen gemeint ist. Der Traumdeuter leistet dabei lediglich Hilfestellung, meist in Form der Fragestellung: Könnte es sein, dass … Woran erinnert Sie dies oder jenes … Was fällt Ihnen dazu ein? … Welches Gefühl hatten Sie … Kennen Sie diese Situation aus Ihrem Leben?

Die Deutung des Traumes:

Hier haben wir es ganz eindeutig mit einem Krisentraum zu tun, der sehr gut die Stimmung des Träumers widerspiegelt.
Der emotionale (Tod der Freundin) und der materielle Verlust (Insolvenz) haben seine Psyche erschüttert. Wie sehr, zeigt sich im Traum: Er muss sein Haus verlassen, sein Nest, seine Geborgenheit, alles, was ihm Sicherheit und Schutz geboten hat.
Er ist zum Aufbruch gezwungen durch seine Erkrankung, sagt der Traum. Mit Krebs assoziiert Peter den Tod der Freundin, und nun hat er selbst auch mit dem Tod zu tun, er ist zwar nicht physisch krank, doch der Traum bedient sich des Symbols Krebs, das vor Kurzem für Abschied, Verlust und Trauer in Peters Leben stand.
Auffallend ist auch, das der Träumer alleine im Traum agiert. Ein Hinweis, dass er auf sich gestellt durch diese Krise hindurch muss. Es zeigt auch die Einsamkeit, die er spürt.
Er verlässt das Haus, geht durch eine Schneelandschaft, der Weg ist endlos. Es gibt weder Gegenstände noch Farben, außer dem neutralen Weiß des Schnees. Weiß hat nach Peters Assoziation etwas von Unberührtheit, unschuldig, keine Orientierung, alles ist undifferenziert. Er bricht sozusagen ins Nichts auf und weiß nicht, wann und wo es endet. Mit Schnee ist für ihn Kälte sowie eine große Stille verbunden. Mit den Assoziationen zu Weiß und Schnee zeigt sich sehr gut, dass hier noch keine Perspektive in Sicht ist.
Hinzugefügt sei noch, dass Weiß in manchen Kulturen auch die Farbe des Todes symbolisiert.

Das war die Ausgangslage. Nun beginnt der nächste Traumteil:

Nach etwa 10 Minuten erkennt Peter eine Vertiefung, er schiebt den Schnee beiseite, findet einen Deckel in der Straße und hebt ihn hoch.

Wenden wir uns zunächst der Zahl zehn zu. Was bedeutet sie für Peter? Vorerst fällt ihm nichts dazu ein. Als ich ihn frage, was vor 10 Jahren in seinem Leben passierte, sagt er spontan, dass er zu diesem Zeitpunkt auch eine Insolvenz erlebt hat, allerdings nicht von der heutigen Tragweite. Durch unglaubliche Anstrengung habe er damals schnell wieder Fuß gefasst. Er glaube allerdings nicht, heute noch einmal so einen Einsatz bringen zu können.
Im (Rider-Waite-) Tarot wird die 10 der Karte „Rad des Schicksals“ zugeordnet, sie hat etwas mit unserer Lebensaufgabe zu tun. Erscheint diese Karte, ist das die Aufforderung, sein Schicksal bzw. die anstehende Aufgabe jetzt in Angriff zu nehmen, die Quersumme 1 (Der Magier) sagt aus, dass man die Kraft und die Möglichkeiten dazu hat, erfolgreich darin zu sein.

Im Traum wird Peter erstmals richtig aktiv. Oben ist nichts mehr, nun schaut er nach unten, sprich in das Unbewusste, nach innen. Die Aktion endet allerdings damit, in ein tiefes schwarzes Loch zu blicken. Übertragen heißt das, die Handlung endet zunächst in der Finsternis, im Nichts. Das, was er unternimmt, bringt keinen Erfolg. Schwarz wird bei uns u.a. auch mit dem Tod assoziiert.
Hier haben wir ganz deutlich den Kontrast weiß und schwarz. Hell und dunkel. Außen und innen. Oben und unten. Oben ist nichts und unten ist auch nichts. Diese Polarität unterstreicht die Hoffnungslosigkeit, die sich in Peter breitgemacht hat – oben ist wie unten. Überall ist nichts. Es kann aber auch ein Hinweis sein, im Moment alles nur schwarz-weiß sehen zu können, d.h. zu einseitig.

Interessanterweise stellt sich durch Peters Assoziationen heraus, dass er bisher ein Fan dieses Schwarz-Weiß-Kontrasts war: Er kleidete sich gerne in Weiß und Schwarz und seine gesamte Wohnungseinrichtung war in diesen beiden Farben gehalten. Es hatte ihm immer Spaß gemacht, andere Farben in Form von Kissen oder Blumen hinzuzufügen.
Das heißt, dass der Traum eine Gewohnheit, ein Muster erkennen lässt, das Peter in sich trägt, und als sehr positiv empfindet. Im realen Leben entstand das gute Gefühl durch die Verbindung der beiden Farben und die Ergänzung durch andere. Im Traum jedoch gelang ihm das zunächst nicht mehr. Hier wurde erst einmal der Kontrast deutlich, das Schwarz und das Weiß waren getrennt. Andere Farben gab es (noch) nicht.

Doch dann – als sich seine Augen etwas an die Dunkelheit gewöhnt hatten – entdeckt er mitten in der Finsternis grüne Pflanzen mit roten Knospen. Nun erfolgt eine Wende im Traum, der 3. Teil beginnt..

Hier wird verdeutlicht, dass Peter der ausweglosen Situation standhält, er schaut lange ins Nichts. Er verharrt dort. Und genau da entdeckt er Leben.

Zu Schwarz und Weiß gesellt sich nun Grün und Rot (Komplementärfarben).
Grün steht u.a. für Hoffnung, Wachstum und Leben.
Und Rot ist die Farbe des Blutes (Saft des Lebens), des Feuers, der Lebenskraft und Energie.

Mit Tulpen assoziierte Peter Frühling und Neubeginn. Dieser Fund löste in Peter große Verwunderung aus. Wie konnte in der Dunkelheit etwas wachsen? Übertragen heißt das: „Kann es möglich sein, dass in meiner verzweifelten Situation ein Hoffnungsschimmer zu sehen ist?“
Dass dem so ist, zeigt der weitere Verlauf des Traumes. Peter kann nun auch die sich bereits abzeichnenden Blumen unter dem Schnee erkennen, bzw. deren Durchbruch nach oben (ins Bewusstsein) verfolgen.

Die Seele hat hier ein wunderbares Motiv gewählt. Das Bild vom Prozess des Stirb und Werde, dem natürlichen Kreislauf des Lebens, ein Wissen, das wir alle in uns tragen, aber in Krisenzeiten leicht vergessen können. Während oben Winter herrscht, beginnt das Leben bereits unter der Erde zu keimen. Es dauert nur etwas, bevor es sichtbar wird.

Die Botschaft an Peter lautete: Du glaubst, dass alles zu Ende ist, aber in jedem Ende liegt ein Anfang – und der ist bereits gemacht.

Verstehen Sie nun, warum Peters Aufwachgefühl so positiv war?

Für die Astrologiekundigen Leser sei gesagt: Peter ist Löwe, Aszendent Stier mit einer starken Krebsbetonung (Mond u.v.m). Zu Beginn der Krise befand sich u.a. der laufende Saturn in Peters Horoskop auf dem Krebs-IC (seelischer Urgrund, Lebensanfang- und ende) und ging während der Krise über die Sonne (zunächst Vereisung, der kranke König, der aber einen Reifeprozess durchmacht). Gleichzeitig pendelte Pluto auf Peters 8-Haus-Mars. Hier haben wir ein wunderbares Bild für das finstere Loch (Pluto, der Herr der Unterwelt), in dem sich aber bereits neues Leben in Form der roten Knospen (Mars, Lebenskraft, die Farbe Rot) zeigt. Während Pluto-Transiten lernen wir die „Unterwelt“ kennen, wir müssen vieles loslassen, ob wir wollen oder nicht, wir durchleben Schmerzen, und geraten nicht selten an oder über die Grenzen des Erträglichen. Erst dann kann Wandlung stattfinden, und Pluto verleiht uns hierzu die Kraft.

Unter diesen äußerst schwierigen Lebensumständen und dem heftigen Transitegeschehen sind Selbstmordgedanken nur verständlich. In dieser Situation gab der Traum und damit das Unbewusste jedoch ganz eindeutig die Auskunft, dass diese Seele sich noch nicht verabschieden wird, auch wenn der Träumer bewusst daran dachte. Die Botschaft des Traumes schenkte Peter neue Zuversicht.

Peter ist 3 ½ Jahre nach diesem Zusammenbruch wieder sehr erfolgreich. Allerdings bedeuten ihm heute Luxus und Besitz nichts mehr. Er zeigt vielmehr Verwunderung über seine damalige Haltung. Im Moment wendet er sich psychologischen und spirituellen Dingen zu, was viel mehr seinem Horoskop entspricht. Die Transformation geschah also nicht über den eigenen physischen Tod, sondern fand auf psychischem Gebiet und der Einstellung zur materiellen Welt statt. Peter bezeichnet sich heute als glücklichen und zufriedenen Menschen. Das oft in Zusammenhang mit Pluto verwandte Bild „wie Phönix aus der Asche“ findet hier seine Bestätigung.