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Traumdeutungsschule: Alpträume

Hedwig Katharina Huelsken

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Traumdeutungsschule, Teil 3

Alpträume – wenn Tod und Teufel Sie verfolgen…

Zu den Alpträumen zählen häufig auch die Träume vom Tod. In Todesträumen gibt es drei hauptsächliche Motive: Entweder träumen wir von unserem eigenen Tod oder vom Tod uns nahestehender Menschen (oder Tieren) oder wir begegnen im Traum Verstorbenen. Kein Wunder, dass uns das Angst macht. Nicht selten erwachen wir dann in Panik und fürchten um unser Leben oder um das unserer Lieben. Wenn uns Tote im Traum begegnen, suchen wir häufig nach dem Sinn: Will uns der Verstorbene etwas mitteilen? Die Träume verfolgen uns im Wachbewusstsein und ängstigen und beunruhigen uns nachhaltig. Doch das ist sehr häufig unbegründet. Nur sehr selten träumt man das Todesgeschehen im Voraus und wenn doch, dann ist es meist so verschlüsselt, dass wir es nicht erkennen.

traumschule_3Archetypische Symbole aus Mythen und Märchen in Todesträumen:

Der Tod erscheint personifiziert:

Er kann in verschiedenen Gestalten geträumt werden, als Mann, als Frau oder als androgynes (geschlechtsloses) Wesen. Hierbei bedient sich das Unbewusste alter archetypischer Bilder vom Tod als schwarzer Gestalt oder als Fährmann, der vom irdischen Ufer zum jenseitigen übersetzt. In den letzten Jahren wird auch weiblichen Todesgöttinnen wieder mehr Beachtung geschenkt, so dass auch Tödinnen auftauchen und als solche erkannt werden. Immerhin gab es ja vor dem Patriarchat das Matriarchat, und die Seele speichert diese alten Bilder. Die griechische Unterweltsgöttin Persephone, die ägyptische Nut oder die Walküren aus der germanischen Mythologie zählen dazu – um nur einige Beispiele zu nennen. Hermes, der geflügelte Götterbote, der mit einem Stab die Menschen berührt, die sterben müssen, kann als Jüngling erscheinen und einen Tod ankündigen. Aber auch der Todesengel ist ein bekanntes Phänomen im Traum. Er verkörpert die spirituelle Komponente. Alle diese Gestalten haben die Funktion, die Menschen vom Diesseits ins Jenseits zu begleiten bzw. von einer Daseinsform in eine andere.

Der Tod erscheint im Zusammenhang mit einem Tier:
Das bekannteste ist wohl der Höllenhund Zerberos, der den Unterweltfluss Styx bewacht; schwarze Raben, aber auch geflügelte Pferde können Todesboten sein. Hier sei auf den Tarotgarten der Künstlerin Niki de Saint Phalle hingewiesen, der in Italien zu bestaunen ist. Die Karte 13 Tod wird hier von einer Tödin auf einem Pferd dargestellt. Auch im Rider-Waite-Tarot reitet der Tod auf einem Pferd.

Weitere Todessymbole:
Das Antreten einer Reise (z.B. mit dem Schiff oder dem Zug …) mit unbekanntem Ziel, ein Umzug, das Wandern über einen Berg, das Übersetzen über einen Fluss mit einem Floß …

Gewaltige Naturereignisse wie z.B. Erdbeben, Lawinen, Planeten, die aus ihrer Bahn fallen, Überflutungen, schwarzes, schmutziges, aufgewühltes Wasser, umgestürzte oder verbrannte Bäume (hier ist der Zusammenhang zum Lebensbaum zu sehen), Lichterscheinungen.

An dieser Stelle möchte ich die Leser ausdrücklich darauf hinweisen, dass all diese Symbole im Traum auftauchen können – und dies auch häufig tun – ohne auf einen nahen Tod hinzuweisen. Träume, die den Tod zum Thema haben, bewahrheiten sich nur in seltenen Fällen. Todesträume müssen immer im Gesamtzusammenhang der Lebenssituation des Träumers und seinem ganz persönlichen Verständnis von Symbolen gedeutet werden.
Die Bildersprache des Traums bedient sich der Symbole des Todes mit verschiedenen Absichten.

Die Funktionen von Todesträumen:

Begleiter in Lebenskrisen:

Aus der Religion und der Esoterik wissen wir, dass der Tod nicht das Ende schlechthin bedeutet, sondern Wandlung und Transformation eines Zustands in eine andere Daseinsform. und so weisen uns Träume vom Tod oft daraufhin, dass es Zeit ist, eine Situation zu beenden, mit einer Sache abzuschließen, um Platz zu machen für Neues. Sie spiegeln oder kündigen eine Zeit der notwendigen Weiterentwicklung, der Transformation an, die wichtig ist im Leben, um weiterzukommen und zu reifen

Hier ein Beispiel auf der seelischen Ebene, die der äußeren voranging: Eine 29-jährige Klientin befand sich vor einer Lebenswende, die sie ängstigte. Ein Umzug und ein beruflicher Neuanfang standen an. Zu der Zeit träumte sie Folgendes:

Ich sehe vor mir das Meer. Der Weg zum Meer ist mit groben Steinen gepflastert, der Himmel ist bleischwer. Ich weiß, dass mein Leben gerade zu Ende ist. Ich kann nur gerettet werden, wenn ich ins Meer laufe und dort ertrinke. Danach werde ich neu geboren. Ohne lange nachzudenken, aber mit Todesangst, laufe ich den steinigen Weg so schnell es geht in Richtung Wasser, stürze mich ins Meer, erlebe meinen Tod- und steige neugeboren aus dem Wasser hervor.

Hier gibt es viele Motive, angefangen vom Sterben, Loslassen, Vertrauen in die kosmischen Gesetze, Wiedergeburt – und natürlich das Motiv der Taufe (Reinigung, Auferstehung). Das Wasser bringt den Tod und schenkt zugleich das Leben. Der Traum war immens wichtig, ja ein Ritual, ein vorweggenommener Schritt, der sie bestärkte, die Wende im realen Leben zu vollziehen.

Begleiter in Trauerphasen:

Träume begleiten uns während der Trauerzeit nach dem Verlust eines nahe stehenden Menschen oder Tieres. Immer wieder erscheint der Verstorbene im Traum, und wir nehmen auch dadurch Abschied – so lange, bis unser Unbewusstes nachvollzogen hat, dass der geliebte Mensch nicht mehr da ist. Häufig haben wir Schuldgefühle bzw. Unerledigtes im Zusammenhang mit einem Tod, vielleicht hätten wir gerne Abschied genommen, was aber vor allem durch einen plötzlichen Tod nicht mehr möglich war. Dann wirkt das in unserer Seele nach, und die Träume sind ein Versuch, das zu bearbeiten. Das kann manchmal sehr quälend sein und man sollte dann nicht zögern, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Gerade bei Todesfällen mit Kindern kann das wichtig werden. Träume zeigen uns also den Stand unserer Verarbeitung an und helfen uns, den Tod allmählich zu akzeptieren.
Dabei geschieht es nicht selten, dass der Verstorbene eine Botschaft für uns hat, etwa nicht mehr traurig zu sein, es gehe ihm gut. Das ist dann sehr hilfreich für unsere Trauerarbeit und heilsam für unsere Seele und bringt uns einen Schritt voran.

Eine Klientin träumte nach einer Fehlgeburt:

Ich sehe eine Straße, die durch einen Wald führt. Dort ist eine Bärin, die ratlos vor lauter umgestürzten Bäumen steht. Ich spüre tiefe Hoffnungslosigkeit.

In diesem symbolträchtigen Bild sind Verlust und Verzweiflung, die die Klientin (symbolisiert durch die Bärin) erlebte, zu erkennen. Hier zeigen die umher liegenden Bäume die abgeschnittene Lebenskraft, die Zerstörung und letztendlich den Tod. Die Klientin empfand heftiges Mitleid mit der Bärin und dadurch kamen allmählich ihre vom Schock abgeschnittenen Gefühle zurück. Es gelang ihr, durch einen langen Prozess der Trauer zu gehen und diese Bärin schließlich zu ihrem Krafttier zu machen.

Tatsächlicher Vorbote eines Todes:

Hier muss man – wie gesagt, sehr vorsichtig sein. Hat man einen Kranken oder auch alten Menschen in seinem persönlichen Umfeld, ist ein Traum, der den Tod des Menschen ankündigt, normal. Hier drückt die Seele einfach die Angst vor dem Verlust aus. Steht jemand vor einer Operation und träumt vom Tod, dann verhält es sich ebenso.

Doch es gibt auch Beispiele, in denen Träume einen Tod ankündigen. Dies geschieht bei Schwerstkranken ebenso wie bei Gesunden, ein Tod kann sich Tage, Wochen oder Jahre vorher im Traum zeigen, tut dies aber verschlüsselt. Für die Seele ist eine Zeitspanne eine Sekunde, das Zeitmaß auf der Erde haben wir Menschen festgelegt.

Auffallend bei Todesträumen ist die Stimmung, Sie ist oft überhaupt nicht erschreckend im Gegensatz zum herkömmlichen Alptraum. Sie kann still, getragen, erhaben und heilig anmuten. Oft bricht man freudig zu einer Reise auf, heiter und gelassen. Hier zeigt sich, dass unser Ich-Bewusstsein am Leben festhält, nicht jedoch unsere Seele, die weiß, wann die Zeit zu gehen gekommen ist. Manchmal ist ein starkes Gefühl von Endgültigkeit und Trauer sowie von einem tiefen Wissen um die Zyklen der Natur dabei. Diese Träume behält man in Erinnerung. Die Bilder sind so eindrücklich.

Erzählt ein Kranker solche Träume, kann man daran anknüpfen und vorsichtig und einfühlsam mit ihm anhand der Symbolik der Bilder über den Tod sprechen – wenn er dies wünscht.

Erlebt man selbst diese Träume und gehen sie einher mit der inneren Gewissheit, dass man sterben wird, dann kann man sie nutzen zu einer vorbereitenden Auseinandersetzung mit dem Tod – wie immer diese persönlich aussehen mag. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass man diese Träume nur dann als Todesträume deuten kann, wenn man auch mit der Situation umgehen kann. Ich glaube nicht an ein grausames Schicksal, das einen mit Träumen vom eigenen Tod heimsucht, so dass man die verbleibende Zeit in Angst und Schrecken verbringt.

Varianten:

Eine Version von Todesträumen sind Ahnungen, die wahr werden. Man träumt z.B., dass das Flugzeug, das man am nächsten Tag besteigen will, abstürzt. Auch dies kann lediglich die Flugangst ausdrücken. Ist der Traum aber ein echter Warnhinweis, dann ist er so eindrücklich, dass der Träumer das Flugzeug nicht nehmen wird. Man hat dann ein tiefes Wissen um die Situation.

Nach dem Verlust eines Menschen träumt man häufig, selbst auch zu sterben. Dies ist ein Ausdruck, dass ein Teil von einem mit gestorben ist, und man eine Weile braucht, um wieder zu sich zu finden. Es kann auch der bewusste oder unbewusste Wunsch dahinter stecken, dem Menschen zu folgen, weil sein Verlust so schwer zu bewältigen ist. Das bedeutet aber nicht, dass man selbst auch sterben wird.

Zum Schluss noch ein beeindruckendes Traumbeispiel einer Vorahnung. Eine Klientin, die sehr engen Kontakt zu ihrer Großmutter hatte, träumte wenige Wochen vor dem relativ schnellen Tod ihrer Oma Folgendes:

Ich sitze in einer Kutsche mit ganz vielen Menschen, viele kenne ich gar nicht, einige sind mit mir verwandt, andere befreundet. Wir fahren durch eine Landschaft, es ist Sommer. Die Sonne scheint. Ich fühle mich sehr gut. Plötzlich kommt von links ein schwarzer herrenloser Einspänner. Unsere Kutsche hält an und meine Großmutter steigt aus und setzt sich in den Einspänne, der sogleich losfährt. Sie schaut noch einmal auf mich zurück und auf ihrem Gesicht erkenne ich ganz kurz das Gesicht meiner verstorbenen Urgroßmutter. Was mich verwundert ist, dass das Pferd die Richtung kennt, ohne dass meine Großmutter lenken muss oder einen Stock braucht. Unsere Kutsche fährt auch weiter.

Hier sieht man das Reisemotiv in Form zweier Kutschen: Eine ist die Lebenskutsche mit dem Motiv der Sonne (Vitalität, Leben) und des Sommers, in dem sich im übertragenen Sinne auch die junge Frau befand. Der Tod der Großmutter fiel auch in diese Jahreszeit. Die andere Kutsche ist der schwarze Einspänner mit Pferd. Die Farbe Schwarz steht für Tod und Trauer. Das Wort Einspänner macht deutlich, dass es sich um eine Reise handelt, die alleine angetreten wird. Niemand muss lenken, das Pferd (der Tod) kennt den Weg. Auf dem Gesicht der Oma zeigt sich kurz das Gesicht der bereits verstorbenen Großmutter, ein Hinweis auf den Tod, aber auch auf die kosmischen Gesetze. Einer folgt auf den anderen. Wichtig war auch, dass der Traum ganz klar die Botschaft vermittelte, dass die Zeit der Träumerin noch nicht gekommen war, sie konnte ihre Fahrt durchs Leben fortsetzen.

Todesträume sind ein Geschenk. Sie helfen und begleiten uns bei der Auseinandersetzung um den Tod und sie fordern uns auf, notwendige Wandlungsschritte in unserem Leben zu vollziehen. Wir brauchen keine Angst vor ihnen zu haben.