Traumhaft – Ich war so schrecklich müde

Hedwig Katharina Huelsken

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Was verraten Ihre Träume über Sie?

Sind Träume Schäume? Tiefenpsychologen sehen das anders und erkennen in der Traumarbeit Zugänge zu bewusstseinsfernen Persönlichkeitsanteilen. In unserer Rubrik „Traumhaft…“ lassen wir Ihre Traumaufzeichnungen von erfahrenen Traumdeutern analysieren.

Mein Traum:

Mein erster Traum, den ich im Urlaub träumte: Ich komme nach meinem Urlaub erschöpft nach Hause und setze mich aufs Sofa im Wohnzimmer, auch wenn die Wohnung nicht so aussieht, wie meine Wohnung. Es gibt dort auch so etwas wie einen Balkon, allerdings ist er rundherum geschlossen.

traum_maerz_3Ich war so schrecklich müde…

Dort stehen ein junger Mann und eine junge Frau. Im Traum kenne ich den Jungen, die Frau nicht; in Wirklichkeit sind sie beide mir unbekannt. Der junge, etwas pummelige Mann möchte reinkommen, er hat einen traurigen, bittenden Blick. Doch ich bin müde und möchte meine Ruhe. Traurig nimmt der Junge das Mädchen an die Hand und schwebt nach oben. In dem Moment habe ich das Gefühl, dass das Haus einstürzt, was dann auch passiert. Allerdings habe ich keine Angst, ich weiß, dass mir nichts passiert.

Unten angekommen sitze ich wieder auf meinem Sofa, neben mir das Mädchen von vorhin und deutet lächelnd auf einen Brief von dem jungen Mann. Ich möchte ihn erst nicht lesen, doch das Mädchen weist mich freundlich darauf hin. Ich überfliege den Text nur ganz kurz, da ich weiß was darin steht. Er ist verliebt und bittet mich alles noch mal zu überdenken, denn so könne es nicht weitergehen. Wir waren bzw. sind aber nicht zusammen! In dem Moment merke ich, dass ich ihn auch mag. Ich will zu ihm. Das Mädchen, sehr glücklich über die Entscheidung, begleitet mich in einen Park, wo er sich mit mehreren Personen befindet um ein Foto zu schießen (diese etwa 20 Personen stehen in einer Reihe). Ich gehe zu ihm und als er mich hinter sich entdeckt, ist er glücklich. Wir schauen uns an, aber bevor ich etwas sagen kann, bin ich aufgewacht.

Allerdings hatte ich am Ende des Traums wie auch nach dem Aufwachen ein unheimliches Herzklopfen und Verliebtheitsgefühl! In meinem zweiten Traum vor ein paar Tagen habe ich meine eigene Hochzeit gesehen. Es war noch nicht die Feier selbst, sondern eher morgens bei den Vorbereitungen. Ich hatte mein Brautkleid schon an, um mich herum allerdings nur meine weiblichen Verwandten, die mir geholfen haben. Ich war sehr glücklich, wir haben getanzt und Fotos gemacht. Was auffällig war: plötzlich stand ein Arbeitskollege (als Gast) bei uns. Er hatte eine schwarze Hose und ein rotes Hemd an, was er sonst nicht tragen würde. Danach bin ich aufgewacht. Einen Tag vorher träumte ich noch von einem wunderschönen Fingernagel (ich glaube Ringfinger) mit French Maniküre und weißen Strass-Steinen. Können Sie mir sagen, ob es einen Zusammenhang gibt, bzw. was diese Träume zu bedeuten haben?

Deutung/Interpretation:

Im Grunde handelt es sich hier um drei Träume, die ich schon im Zusammenhang deuten würde. Zunächst zu den beiden ersten: Es geht um Beziehung. Um Bindung. Der Traum zeigt, dass Sie eine Chance vertan haben. Der junge Mann bittet Sie um Einlass, den sie aber verweigern. Worauf er sich notgedrungen einer anderen Frau zuwendet. Was aber offenbar für Sie einer Katastrophe gleichkommt, denn das Haus stürzt ein. Der Traum sagt aber auch, dass Sie zu erschöpft waren für diesen Mann, Sie wollten Ihre Ruhe, außerdem tritt er hier nicht sehr männlich auf, sondern eher traurig bittend. Hier kommen also zwei wenig leidenschaftliche Menschen zusammen. Doch nun gibt es eine zweite Chance.

Ein Brief – also eine Botschaft – wartet. Wieder erscheint der Mann passiv, Sie werden von einem weiblichen Anteil in Ihnen (das Mädchen) aufgefordert, die Zeilen zu lesen. Er bekennt seine Liebe, was für Sie Grund ist, ihn zu treffen. Im Zusammentreffen aber kommt es zu keinem aktiven Austausch. Übertragen heißt das, dass Sie, sollte sich ihr Traummann zu Ihnen bekennen, bereit wären für eine Beziehung. Die Gefühle sind zwar da, aber wieder fehlt die Aktion, der richtige Kick. Sie wachen auf.

Im zweiten Traum spiegelt sich Ihr Wunsch nach fester Bindung. Doch noch ist es nicht so weit, Sie sind erst bei den Vorbereitungen, nicht bei der Feier. Außerdem fehlt der Bräutigam im Traum. Der Mann, der hier auftaucht, ist zwar ebenfalls nicht aktiv, aber er ist da, und er erscheint als sehr männlich: Schwarz – Rot – das sind Farben der Leidenschaft. Das männliche Element, das im ersten Traum traurig bittend und sehr passiv vorhanden ist, bekommt hier eine ganz andere Note.

Der dritte Traum bedeutet, dass Sie als Frau auf sich aufmerksam machen (wunderschöner Fingernagel), und er zeigt auch den Stellenwert, den der Wunsch nach Bindung (Ringfinger) bei Ihnen hat. Ich würde Ihnen empfehlen, die Träume zum Anlass zu nehmen, Ihren Wunsch nach Bindung und Beziehung ernst zu nehmen, sich aber, bevor es zu einer „Hochzeit“ kommt, noch einmal mit Ihrem Männerbild auseinanderzusetzen – und sich den Gast vielleicht einmal näher anzuschauen.

Was verraten Ihre Träume über Sie?

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Wir waren nur noch eine Nummer…

Mein Traum:

Ich saß mit meiner Familie, meiner Oma und mehreren hundert oder vielleicht auch tausenden von Leuten in einer Art Kolosseum der Neuzeit. Es war eine furchtbar drückende Stimmung und das Wetter war kalt und trübe. Die meisten Leute, dick in ihre abgetragenen Mäntel eingehüllt, hatten zum Schutz vor die Witterung den Kragen hochgeschlagen. Nun wurden wir über Lautsprecher aufgefordert, uns in eine der vielen Schlangen einzureihen.

Nacheinander wurde jedem von uns eine Nummer in einer Art Metallmarke durchs Ohr geschossen, so wie man es höchstens bei der Kennzeichnung von Rindern kennt. Diese ganze Prozedur erschien mir so menschenunwürdig, komischerweise empfand weder ich, noch meine Familie so etwas wie Schmerz. Es war fast so, als wäre man bereits immun gegen solche Grausamkeiten. Ich erinnere mich an eine große, drei oder vierstellige Ziffer, auf die ich nun reduziert zu worden schien.
Wir setzten uns auf eine der vielen Tribünen und warteten angespannt und voller Angst auf den weiteren Verlauf des Geschehens. Wieder wurden nacheinander einzelne Gruppen aufgerufen und von Leuten in Uniformen, die eine Befehlsgewalt ausübten, in einen hinteren, abgeschiedenen Teil des Kolosseums geleitet. Meine Angst und Panik steigerten sich ins Unermessliche, als wir die ersten Menschen aus diesen hinteren Räumen zurückkehren sahen. Sie sahen schrecklich aus, wie sie glatzköpfig, furchtbar erbärmlich, mit leeren Augen auf uns zukamen. Wir sprachen sie an, doch sie brabbelten nur unsinniges Zeug und sahen regelrecht willenlos aus. Ich fing an zu schreien: „Nein, ich will das nicht, ich will hier raus!“, meine Oma hauchte mit traurige, müder Stimme etwas wie: “Wir müssen uns unserem Schicksal fügen, es lässt sich nicht ändern – vielleicht haben wir das verdient, was hier mit uns geschieht. Es geschieht immer wieder.“

Voller Panik flehte ich meinen Vater an, er soll mich hier raus bringen, doch auch er sagte – und das schockierte mich am aller meisten, weil ich ihn so resignierend nicht kannte – dass wir nichts tun können. War ich die einzige, die noch bei Verstand war und hier heile rauskommen wollte? Als nächstes wurden unsere Nummern aufgerufen. Ich wollte einfach nur aufwachen, mit aller Macht (auf gar keinen Fall wollte ich wissen, was nun mit uns geschehen würde) und das tat ich dann auch.

Deutung/Interpretation:

Der Traum erinnert an Berichte aus dem Krieg, in dem Menschen auf Nummern reduziert, entwürdigt und gefoltert wurden. Da Ihre Großmutter und Ihr Vater vorkommen, könnte der Traum auch auf die Kriegszeit verweisen? Die Seele hat ja Zugang zu gespeicherten Bildern des Kollektivs und der Ahnen (das kollektive Unbewusste) und manche Menschen sind sehr empfänglich dafür. Vielleicht haben Sie ähnliche Schilderungen gehört und zu einem Traum verdichtet.

Die Frage ist aber: Warum taucht der Traum gerade jetzt auf? Befinden Sie sich in einer für Sie entwürdigenden Situation, aus der Sie sich befreien wollen, andere hingegen alles klaglos hinnehmen? Lassen Sie den Satz „Es geschieht immer wieder“ auf sich wirken. Was fällt Ihnen dazu ein? Was geschieht in Ihrem Leben immer wieder? Wichtig ist, dass Sie in einer schwierigen Lage den Impuls verspüren, auszubrechen und nicht wie andere in der Resignation verbleiben. Das macht Ihnen der Traum deutlich.

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